Mein erstes Mal

So, jetzt bin ich auch dabei. Jahrelanges begeistertes Lesen von Blogs aller Art und ich trau mich erst jetzt, meine Gedanken der Welt mitzuteilen…. Ich bin mir ja nicht mal sicher, dass diese Gedanken interessieren, vielleicht bin ich ja in dieser Blogcommunity auch völlig fehl am Platz, schießlich gehöre ich zu denen, die so rein garnichts über irgendwelche Projekte, an denen sie öffentlichkeitswirksam mitwirken, berichten können. Ja, so ist es leider: Ich bekomme seit dem 17. Februar 2008 ALG 2, der breiten Öffentlichkeit auch als Hartz IV bekannt. Ich sitze daheim, durchforste das Internet nach Jobangeboten jedweder Art (theaterjobs.de ist definitiv eine meiner Lieblingsseiten), versuche im Training zu bleiben und bewerbe und bewerbe und bewerbe und bewerbe mich. Bislang sowas von ohne Erfolg, dass man als Außenstehender fast meinen könnte, ich solle mir endlich einen anständigen Job suchen….. Ach, aber ich liebe das, was ich tue! Ich bin begeisterte Theatermacherin, ob auf oder hinter oder neben der Bühne! Plus: Ich hatte letztes Jahr echt Pech. Ich durfte gleich bei zwei Insolvenzen mitmachen, erst im März in Füssen und dann im Juli in Berlin. Ich bin im Mai 07 wegen eines wirklich tollen Jobs als Company Manager, Stage Manager und dann noch einziges Mitglied des KBB nach Berlin gezogen, nur um sechs Wochen später ohne Job, ohne Kontakte und ohne Plan auf der Berliner Straße zu stehen. Berlin ist toll, die Menschen auf den Arbeitsämtern und Jobcentern sind zu mir supernett und ich fange so langsam an mich zu fragen, wie das denn alles weitergehen soll. Ich arbeite schwer an mir, erarbeite mir für Musicalauditions immer wieder neue Songs, trainiere mir laaaaaangsam meinen Speck ab (ist noch immer genug vorhanden), bin zu fast allem bereit und hocke daheim, weil ich nicht mal mehr zu Auditions eingeladen werde. Mein Lebenslauf sieht echt mau aus, die lange Pause ist sowas von gegenkonstruktiv und zeigt mitnichten, was ich drauf habe.
Um mich gleich so richtig nackig zu machen: Ich hatte vor zwei Jahren eine furchtbare Depression, die ich nur mit Tabletten einigermaßen in den Griff bekommen habe. Während dieser Zeit hatte ich ein kleines Engagement in Mannheim als Schwester Robert Anne in Non(n)sense. Ohne diese Rolle hätte ich definitiv viel länger gebraucht, um wieder gesund zu werden, meine Zeit auf der Bühne, das Erleben, dass das Publikum und meine Kollegen mich lieben, gut finden und unterstützen hat mich gehalten. Ich bin nirgends so glücklich wie auf der Bühne, egal, ob beim Singen, Spielen, Singen-und-Spielen. Auch deshalb will ich meinen Beruf nicht an den Nagel hängen.
Natürlich habe und würde ich auch aushilfsweise woanders arbeiten, aber selbst das ist nicht mehr so einfach, wie es mal war. Als ich mich als Kellnerin beworben habe, wurde ich nach Referenzen gefragt…. Außer einer Telefonnummer eines ehemaligen Chefs konnte ich nichts angeben, ich hab einfach nicht drangedacht, dass ich mir als studentische Hilfskraft ein Zeugnis ausstellen lassen sollte…. Ja, man wird fürs Nichtmitdenken gerne mal bestraft.
Die neueste Idee, die ich habe, auch aus einem gewissen Zwang heraus, ist, dass ich mich selbstständig mache, man kann ja inzwischen GmbHs ohne Eigenkapital gründen. Nur habe ich wieder das gleiche Problem- keine Kontakte… Ich gehe zwar raus und präsentiere mich der Theaterwelt, lerne neue Leute kennen, aber irgendwie lande ich immer bei echt netten Menschen, die selber auf der Suche sind und/oder keinen Draht zu „Machern“ haben. DAS wäre mal eine Idee für einen Workshop! „Kontakte richtig knüpfen“, halber Preis für Hartz IV-Empfänger.
So. Ich befürchte, ich schreibe wieder viel zu viel, ich denke, ich höre hier mal auf und überlege mir ein eingeschränkteres Thema fürs nächste Mal….

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Das echte Leben

3 Antworten zu “Mein erstes Mal

  1. Liebe Judith!
    Willkommen im Club! Einerseits im Club der Theaterblogger, und andererseits im ‚Club der toten Schauspieler‘, wie ich zu sagen pflege. Keine Angst, ich bin kein Pessimist, ich habe nur eine grosse Menge schwarzen Humors;-) (damit lebt es sich leichter…)! Ich freu mich, dass du jetzt zu uns Bloggern gehörst! Natürlich tut es mir leid, dass du soviel Pech hattest mit deinen Engagements, aber Kopf hoch, es wird schon werden! Ich bin seit über einem Jahr ohne Engagement und halte mich mit Unterricht über Wasser. Und irgendwie krieg ich es gebacken. Immer nach vorne kucken, immer am Ball bleiben (auch wenn die EM vorbei ist…) und vor allem die Liebe zum Beruf und den Humor nicht verlieren!!!!! Soweit ich herauslesen konnte, bist du im Musicalfach zuhause. Versuch doch mal, in Richtung Demoband für Film/TV oder Synchronisation zu gehen, vielleicht findest du dort noch Möglichkeiten, die dir zusätzliche Engagements bringen könnten. Ich wünsch dir jedenfalls alles Gute und toitoitoi!!!!
    ‚Wo auch immer eine Tür geschlossen wird, gibt es bestimmt irgendwo ein Fenster, durch das man durchschlüpfen kann…‘

  2. Hallo Judith,

    das ist definitiv der längste und informativste erste Theaterblogseintrag, den ich je gelesen habe! Dafür schon einmal ein großes Lob.
    Was Du beschreibst, können sicherlich viele Theaterschaffenden nachvollziehen und deshalb ist es richtig, dass Du Dir einen Blog besorgt hast und nun die Welt über Dich in Kenntnis setzt. Versuche trotzdem von all dem zu berichten, was Du so tust. Und wenne es die Jobsuche oder das Training in Deinen eigen vier Wänden ist. Das kann für Kollegen und Interessierte sehr aufschlußreich sein!
    Schreib ruhig auch über Deine Ideen und Pläne – dann bekommen sie gleich eine Art von Verbindlichkeit. Es steht schließlich im http://www...
    Also lass die Selbstzweifel beiseite und blogg was das Zeug hält – solang es mit Theater, Kunst und Kulttur im zusammenhang steht, ist es hier genau richtig.
    Herzlich Willkommen bei theaterblogs.de – blog on!

  3. Heike Werntgen

    Liebe Judith,
    Vielen Dank für Deinen tollen Beitrag. Es ist großartig, wie Du ohne Pathos Deine wirklich ätzende Situation beschreibst.

    Oh, wie ich das kenne: viele Kontakte, aber meistens nur zu tollen Menschen die in der gleichen Situation stecken. Wo sind die, die wirklich „was bingen“????
    Eine Dozentin von mir (sie ist Theaterpädagogin, was ich bald auch noch sein werde) meinte, sie habe nur ein einziges Mal einen Job durch Bewerbung bekommen, sonst nur durch Kontakte. Und sie meinte: „Geh einfach zu Premieren, in Kantinen etc. und lerne die Leute kennen.“ Und vor allem: „Betrachte dieses Networking als ARBEITSZEIT.“ Das finde ich einen tollen Ansatz und das wird mein nächster Schritt sein. (Was mir zwar schwerfällt – ich will nicht schleimen, aber da meinte sie, es gehe ihr genauso, aber das sei Teil des Jobs).
    Vielleicht ist das ja auch eine Idee für Dich?
    Ganz viele herzliche Grüße und alles Liebe
    Heike

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