Das Internet- mein persönliches Purgatorium

Ich gebe ja zu, ich bin eine leidenschaftliche Surferin. Setze ich mich an meinen (endlich neuen!!!!tuenden!!!!) Rechner, ist der erste Klick der auf meinen Maileingang. Da ich gerne schreibe, bekomme ich tatsächlich zuweilen auch persönliche Antworten und nicht nur Werbung oder Aktualisierungslinks sämtlicher Sites, bei denen ich vor Jahren frenetisch meine Kontaktangaben hinterlassen habe (wobei ich bis heute nicht weiß, wann und wo ich mich für Penisverlängerungen und Viagraerwerb habe registrieren lassen). Heutzutage ist das Internet an sich ja sowieso DIE Plattform für Arbeitssuchende und- habende, wer keinen Anschluss hat, ist quasi von der Welt abgeschnitten. Ich kenne vielleicht zwei Kollegen, die noch immer Internetcafés aufsuchen, wenn sie mal eben reinschauen wollen, aber die haben Agenten, die sie anrufen…
Ich habe mich relativ schnell mit dem Internet befasst, ich kann mich sehr wohl noch an Modems erinnern, deren Schnelligkeit in etwa der meinigen beim Pullover stricken ähnelte. Es gab eine Zeit, in der ich auch völlig entspannt vor dem Rechner saß, hier und da online Jobangebote las und mich daraufhin postalisch bewarb (aus dieser Zeit habe ich noch circa 500 B5-große elefantenhautene Briefumschläge und cremefarbenes Briefpapier, man will sich ja abheben). Natürlich habe ich mich auch ganz schnell bei stagepool eingeschrieben, das war ja eine feine Sache, da war alles schön gebündelt und man konnte aus einer relativ großen Anzahl Ausschreibungen wählen, für welche Stelle man sich in Betracht kommend fühlte.
Irgendwann dann mal habe ich dann auch theaterjobs.de gefunden, was mir auch sehr sympathisch erschien, aber ich hatte ja stagepool und dachte, dann brauch ich nicht auch noch dieses Portal.
Nebenbei wurde mir dann noch crew-united.com ans Herz gelegt, dort beschloss ich dann unzahlendes Mitglied zu werden, mir ging es ja hauptsächlich um die Stellenangebote.
Dann aber kam die Zeit, wo ich bei stagepool mehr und mehr gezwungen wurde auf das sogenannte eChiffre zurückzugreifen, einen Euro zu bezahlen und somit stagepool mir die Arbeit abnehmen zu lassen meine Unterlagen an die betreffende Produktion weiterzuleiten. Das Ding bei eChiffre war dann für mich neben der zusätzlichen Kosten (bei einem verdammt hohen monatlichen Beitrag, wie ich persönlich finde), dass ich dauernd eMails von stagepool bekam, dass sich viele Arbeitgeber über die Aufmachung, die mangelnden Ausführungen usw. beschwert hätten und dass ich mir bitte das Beispiel ansehen und daraufhin meinen Auftritt bei stagepool verbessern solle. Ich verbrachte von jetzt auf nachher pro Woche circa zwei Stunden damit meinen Internetauftritt bei ihnen zu verbessern, aber anscheinend war er nie gut genug, denn ich bekam nicht ein Vorsprechen durch eChiffre; da mir die Zahlungsmodalitäten auch nicht mehr durchsichtig genug waren und ich letztendlich dann doch eine Anmeldung bei theaterjobs.de wagte, habe ich mich von stagepool getrennt (habe dabei das Superangebot ausgeschlagen, im Jahr nur 120,00 Euro zu bezahlen, weil ich so treu war und sie mich nicht verlieren wollen).

Theaterjobs.de war toll! Meine ProfilPage war schnell angelegt, die Rubriken war gut zusammengefasst und ach, es war übersichtlich, knapp, man verlor sich nicht im gestalterischen Detail und wusste, wer das bekommt, hat, was er verlangt.
Und für 45,00 Euro im Jahr einen online angelegten Lebenslauf plus supergute Ausschreibungen plus ein Forum, das ich mit Vergnügen lese- ich komme aus Schwaben, ich weiß ein gutes Preis-Leistungsverhältnis zu schätzen.

Ach, vor ein paar Jahren habe ich von meinem Bruder zum Geburtstag meine eigene homepage geschenkt bekommen, gestalterisch ein Triumph des guten Geschmacks, leider von mir nicht administrierbar und daraufhin von meinem Bruder wieder rausgenommen, um überarbeitet zu werden. Aus Versehen wieder unfertig online gestellt, ohne Bilder, nur mit der Hälfte des Textes und mit Gästebuch. Er versprach mich bald darin einzuführen, damit ich die Seite pflegen und so anlegen kann, wie ich will (genug Material zum Reinstellen ist da). Da mein Bruder ein sehr beschäftigter Mann ist, dauert das noch seine Zeit. Gut Ding kann Dekaden dauern.

Jetzt hatte ich also: eine homepage, leider professionell nicht zu gebrauchen, war dann auch lediglich der Marktplatz, um sich mit Freunden auszutauschen, eine ProfilPage von theaterjobs.de, mit der ich gern und viel hausieren ging und dann noch die crew-united-Geschichte, bei der ich, unbeleckt im Filmgeschäft, ein ziemlich dünnes Portfolio habe (da ich nicht bezahle, stehe ich bei den Auflistungen eh nicht vorne, ist ja auch vollkommen okay, wusste und weiß ich ja). Dann habe ich irgendwoher von PucksBar gehört, natürlich dort reingeschaut, das Prinzip gut gefunden, auf der Suche nach neuem Material für mein Showreel begeistert von den Angeboten und da auch noch eine Setcard gemacht.

Also:
– homepage
– ProfilPage
– crew-united Portfolio
– PucksBar Setcard

Und dann noch das hier, mein Blog. Ich habe bis heute hier noch nicht alles aufgelistet, was ich so gemacht habe, denn dieser Blog ist für mich persönlich ein „echter“ Blog- ich schreibe ein öffentliches Tagebuch, das irgendwie irgendwas mit Theater zu tun hat. Ich weiß jetzt nicht, ob ich Auftrittstermine auflisten würde, wenn ich denn welche hätte, ich berichte garantiert über neue Projekte, wenn welche anstehen, aber zuallererst dient das hier meinem theatralischen Schwätzdurchfall.
Ich finde es toll, dass ich die Seite als „homepage“ verwenden kann, aber echt jetzt- kann ich nicht einfach meinen Lebenslauf, den ich liebevoll mit meinem Schreibprogramm gestaltet und geschrieben habe plus einem Foto, das meiner Meinung nach am ehesten auf die Rolle passt, für die ich mich bewerben will, postalisch oder als eMailanhang verschicken, ohne dass ich dauernd auf irgendwelche Seiten verlinken muss, die ich gezwungen bin anzulegen (ich rede nicht von der ProfilPage, das war freiwillig, ICH WEISS!!!) und von deren Betreibern ich regelmäßig zum Aktualisieren aufgefordert werde (was denn aktualisieren?????)?
Inzwischen liest man ja, dass Links zu homepages nicht berücksichtigt werden, wenn ich mich also zum Beispiel über PucksBar mit Setcard bewerbe und es wird LL plus Foto(s) verlangt, mache ich dann beides oder lösche ich den Link raus oder benutze ich den Link nur noch und was ist, wenn ich altmodisch alles mit Papier mache, lieben die mich dann nicht? Ich habe jetzt soviel Platz im Netz für mich und mein Anbiedern, ich weiß garnicht mehr, was ich am besten mit wem und bei wem machen soll! Und dann bekomme ich plötzlich Werbung von Menschen, die meine Pages angeklickt haben und mir unschlagbare Angebote machen, wie ich mich noch besser präsentieren kann- ja, ist mir diverse Male über theaterjobs.de passiert, dass ich von Fotografen, Videomachern oder Workshopmachern angeschrieben wurde, gerne auch mit der Betreffzeile „Jobangebot“.

Was ist das denn, dass ich als künstlerisch veranlagter Mensch ohne wirksame Präsentation im Internet chancenlos auf dem Markt bin? Wo sind die Zeiten geblieben, da man sein persönliches Vorstellen als das wichtige hat sehen können und ein fehlerfrei getippter LL als erster Eindruck reichte? Wird man bald Theater übers Internet machen? Ich bin echt durcheinander,auf der einen Seite habe ich keine Lust mehr, dauernd zu überarbeiten, an vier verschiedenen Stellen zu aktualisieren und ein Semi-Internetauftrittsprofi zu werden, andererseits- ich möchte doch gern dran sein und bleiben und arbeiten….

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Das echte Leben

2 Antworten zu “Das Internet- mein persönliches Purgatorium

  1. Joschy

    ich hatte das einem kollegen schon mitgeteilt, dass der, der dir deinen kommentar gepostet hat, einen“ virenverseuchten“ link hinterlassen hat.
    den kollegen hat das nicht gestört, der hat meinen post nicht veröffentlicht. ich habe antivir premium suite und der schlägt sowas von an, wenn man auf „wowgold“ klickt.
    nur zur info.

  2. Danke Joschy, hab den Link rausgenommen, dass ja nix passiert!

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