Warum immer ALLES AUF EINMAL?!?!?!

Zuallererst: Mann, mein letzter Eintrag war echt verdammt lang…. Interessant, wie meine Mauldiarrhoe sich in meinen Fingern fortsetzen kann….
So. Um ehrlich zu sein, was Theater angeht, zumindest das kulturelle, nichts Neues. Trotzdem schreibe ich in den theaterblog-Theaterblog.
Ich bin ja letzten Monat 30 geworden, es hat nicht weh getan, die Feiern (es gab derer drei) waren der Knaller, ich fühle mich nicht anders als vorher, selbst meine biologische Uhr tickt nicht lauter als früher. Und ich habe langsam das Gefühl, ich werde so alt wie die Rollen, die man mir vor fünf Jahren vorgeschlagen hat mal anzuvisieren. (Ist ja gerne so bei dicken Frauen, dass die zu hören bekommen, sie sollen warten, im Alter kämen die richtigen Sachen, und ja, ich glaube es noch immer.)
Meine uneingeschränkte Bereitschaft mich für alles zu bewerben hat ebenfalls nicht nachgelassen, nichtsdestotrotz habe ich außer einer offenen Audition keine Einladungen bekommen, bis auf einen Vermittlungsvorschlag des JobCenters. Als Betreuer/In in einem Berliner Mehrgenerationenhaus, dem KREATIVHAUS. Ich habe mir die Internetpräsenz mal angesehen und bin schwer begeistert von dem, was die Damen und Herren da auf die Reihe bringen, echt. Ich liebe Kinder (ich schaff nur kein ganzes) und mit älteren Herrschaften habe ich keine nennenswerten Probleme bis auf meine Respektlosigkeit vor dem Alter. Ich habe Respekt vor Menschen, egal wie alt sie sind und glaube nicht daran, dass Jemand, nur weil er gefühlte 100 ist, mit besonderer Hochachtung zu behandeln ist, wenn er sich nicht benehmen kann. Das Ganze stellt sich als Entgeltvariante dar, fragt mich nicht, ob das jetzt ein 1 € – Job ist, es steht nicht drin, nur, dass es ein 40 Stunden – Job sein soll. Ich WILL arbeiten und mit Menschen zu tun zu haben ist für mich echt toll und ich weiß, dass jeder Job ein guter Job ist, weil man, also weil ich Erfahrungen sammeln kann und ich bin so eine, die immer alles verwertet, was ihr passiert. (Eines Tages wird mein Programm fertig sein und es wird Menschen geben, die bereuen, dass sie mit mir Kontakt hatten…)
So weit, so gut. Ich dachte, ich fang mal mit was Positivem an.
Dummerweise kommt dieses Angebot zu einer Zeit, wo ich eigentlich mal ausnahmsweise völlig selbstlos am Start war.Ein Freund von mir, den man fast als väterlichen bezeichnen könnte (mein eigener macht seinen Job aber so gut, dass ich keinen zweiten brauche), ist sterbenskrank. Ich kümmere mich mit um ihn, letzte Woche haben wir ihn fast verloren und das geht mir noch immer an die Nieren. Sein letzter Wunsch ist ein Urlaub an der Ostsee und dank mangelnder familiärer Mannschaft bin ich diejenige, die ihm diesen erfüllen kann. Seine Ersatzfamilie, zu der ich gehöre, hat sich zusammengesetzt und wir haben das so ausgemacht, dass ich das zu einem Großteil übernehme. Ich freue mich auf die Ostsee, weil ich glaube, dass mir selbst ein solches Rauskommen mehr als guttun würde, nicht nur, weil ich die SEEEEEEEEE um mich haben möchte (ich bin Krebs, Wasser ist es einfach), sondern weil ich in einer Umgebung wäre, in der ich endlich mal die Muse und die Muße hätte zu überlegen, was ich eigentlich will. Medizinisch ist alles geklärt, er freut sich auf mich und die See und dann kommt dieser VERMITTLUNGSVORSCHLAG. Der ab sofort gilt. Dienstag muss ich dort sein und mich vorstellen.
Ich hätte ja gleich zum Amt gehen und Urlaub beantragen können, das ging aber nicht, WEIL (dritter Schlag ins Gesicht) dort vergessen wurde mir einen Brief zu schicken mit einem Antrag zur Weiterbewilligung meines Antrages, der zum 31.8. ausläuft. Ich war selbst schnell genug und habe da mal nachgefragt und den Antrag von mir aus gestellt (zum Glück habe ich mitgedacht, das macht wohl auch nicht jeder), aber ich habe noch keine Weiterbewilligung, das heißt, ich bin ab übermorgen erst mal raus und die vom Amt können mir darüber hinaus erstmal nichts gewähren (mich aber zum Vorstellungsgespräch schicken, weil das noch im August rausging, will ich die Weiterbewilligung nicht gefährden, muss ich mich da vorstellen, Tücke des Sozialstaates). Also hänge ich finanziell so richtig in der Luft und hoffe, dass ich die Weiterbewilligung kriege, damit ich nicht mit Mahnungen zugeschüttet werde und überhaupt. Scheißkohle.
Dem nicht genug (vierter Schlag, mitten auf die Zwölf) habe ich mir eine eitrige Nebenhöhlenentzündung zugezogen und musste letzte Woche Antibiotika nehmen und mich eine Woche lang flachlegen. Nur ging das mit dem Hinlegen leider nicht so gut, weil ich zwei Tage im Krankenhaus damit beschäftigt war meinem Freund zu erklären, dass er noch nicht sterben soll, weshalb mein Kreislauf irgendwas zwischen nicht vorhanden und äußerst kapriziös ist, meine Nebenhöhlen gaaaaanz laaaangsam erst wieder frei werden und ich zudem noch huste, als würde es Geld dafür geben (ja so verzweifelt scheine ich zu sein, dass ich selbst das ausprobiere). Ich bin aber nur noch diese Woche krankenversichert, siehe oben, und da das Ganze nicht weggehen will, mache ich mir, die ich eigentlich eher entspannt mit meiner Gesundheit umgehe, zum ersten Mal in meinem Leben Sorgen um dieselbige. Ostseeluft wäre es wahrscheinlich.
Ist klar genug geworden, dass ich mich in einem Bermudadreieck der Scheiße zu befinden glaube? Ich bin so eine, die immer für alles eine Lösung findet, wirklich, und ich werde am Dienstag bei dem Vorstellungsgespräch hoffentlich eine finden, aber das musste mal raus. Immer alles auf einmal. Blöde Kacke.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Das echte Leben

2 Antworten zu “Warum immer ALLES AUF EINMAL?!?!?!

  1. Liebe Judith!
    Ich gehöre zu denen, die deine Einträge mit Begeisterung lesen, denn sie sind einfach toll geschrieben, mit Witz, Humor, gesundem Menschenverstand und viel Realität…;-) Ich halte dir beide Däumchen, sogar die an den Füßen, dass sich alles wieder regelt, dass der gewünschte Job kommt, mitsamt Krankenversicherung, dass der Schnupfen geht (und am besten nicht wiederkommt!), dass der Freund so lange wie nur möglich bleibt, und der Urlaub an der Ostsee unvergesslich wird!!!!
    Alles alles Gute für dich und die Menschen um dich!!!
    Martine

  2. Hallo Judith,

    Du schreibst witzig und mit schönen Wortspielen, dass es eine Freude ist 🙂

    Wie wärs mit ’nem Roman zu Deiner Geschichte? Der Titel könnte beispielsweise lauten: „Sind Sie selbstständig oder schon arbeitslos?“

    Mach so weiter!
    Renate

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