Komm schon, Muse, küss mich!!!

Da sitz ich nun. Will mein Programm machen und überleg, wie ich das anfangen kann. Aber zuerst sollte ich vielleicht die eMails beantworten, die ich seit Tagen vor mir herschiebe- also mach ich das schnell noch. Okay, ich sitze wieder vor dem leeren Dokument und überlege mir einen Aufhänger. Huch, da gibts ja noch den Anruf, den ich dringend tätigen müsste, bevor ich den nicht gemacht habe, kann ich nicht in Ruhe schreiben. Also das Telefon in die Hand genommen und ne Viertelstunde gequakt. Gut, also los. Tiefsinniges Auf-den-Bildschirm-Starren bringt nicht die erhoffte Kreativität in mir hervor. Der Blick wandert- ach, ich könnte ja meine Steuerunterlagen machen, dann hätte ich das weg und wieder eine freie Ablage! Drei Stunden später hat mich da die Lust verlassen und ich sitze wieder vor dem Bildschirm. Der sieht ein bisschen dreckig aus, wo ist denn das Microfasertuch, das ich extra fürs Bildschirmwischen gekauft habe?! So, sauber. Ob das Kabel, das mein Klavier mit dem Rechner verbinden soll, denn auch funktioniert? Wie macht man das denn da ran….. Nach weiteren vierzig Minuten habe ich auch das herausgefunden und bin stolze Komponistin eines schrecklichen Siebentonliedes.
So. Jetzt aber. Sei witzig, Schäfer, sofort. Hab ich noch genug Zigaretten, sonst muss ich ja mitten im Schreiben aufstehen, nein, die reichen nicht aus, schnell noch mal in die Küche und die letzte Packung geholt. Dabei fällt mir ein, so ein Cappucchino zum Schreiben wäre schon das i-Tüpfelchen, aber die Maschine muss erst entkalkt werden, damit der Espresso auch nach was schmeckt. Das dauert zwar wieder ne Dreiviertelstunde, aber die lohnt sich! Währenddessen kann ich ja noch eben das Buch zu Ende lesen, das ich gestern Abend angefangen habe, ich kann ja nicht gleichzeitig entkalken und kreativ sein.
Das Buch hat mich zwei Stunden gekostet, auf den Cappucchino hab ich plötzlich keine Lust mehr, also sitze ich ungetrunken vor dem Bildschirm. Jetzt! Ein Scherz zu Beginn! Na?! Oh, ich muss meine Arbeitsbescheinigung noch beim Arbeitsamt abgeben, aber kann ich die nicht auch schicken? Muss ich da persönlich vorbeigehen? Schnell mal im Internet recherchiert. Hm, das klingt aber jetzt ein bisschen kompliziert für mich, da ich ja ALG II beziehe, also ruf ich da besser einfach mal an. So ne Warteschleife hab ich ja auch schon lange nicht mehr im Ohr gehabt…
Oh, es spielt keine Rolle. Hauptsache, ich hab mich arbeitslos gemeldet, und das persönlich, geht auch telefonisch. Supi. Na dann, frisch ans Werk!
Mein Papierkorb ist voll, denn könnte ich noch eben leeren. Der Abfall stört mein ästhetisches Kreativempfinden. Was steht eigentlich auf meiner heutigen Alltagskarte? „Nimm nicht alles wortwörtlich“. Heißt das jetzt, ich muss meinen Antrag doch sofort abgeben??? Mensch, was ein Ärger.
So, was kann ich denn noch erledigen, bevor ich den Knallertext abliefere??? Stimmt, die Rentenversicherung muss ich noch anrufen, die glauben, ich hab meinen Namen geändert, woher auch immer die das erfahren haben wollen…. Meinen Geburtstagskalender will ich auch endlich mal basteln, das Zeug dafür liegt schon seit zwei Jahren rum. Sieht gleich ganz anders aus.
Jetzt aber! Wirklich!! Huch, das Telefon klingelt. Ach, ich könnte noch schnell eine Runde spielen, vielleicht hilft mir die Ablenkung ein bisschen.
Was, schon so spät? Gleich kommt der Film im Fernsehen, den ich unbedingt angucken möchte, ich hab den zwar auf DVD, aber wenn er so im Fernsehen ausgestrahlt wird- das kennt man doch, Filme, die man sich zu jeder Tages- und Nachtzeit ansehen kann, weil man sie im Regal stehen hat, werden dann erst höchstinteressant, wenn das ZDF sie nachts um Zwei ausstrahlt, weil man sich dann wieder erinnert, wie toll die doch eigentlich sind. Okay, jetzt ist es nicht zwei Uhr morgens, aber den Film will ich trotzdem gern sehen, also den Rechner runtergefahren, nein, angelassen, es könnte sich ja Jemand über Skype melden und nach diesem anstrengenden Arbeitstag die Füsse hochlegen und entspannen.
SO GEHT DAS SEIT TAGEN!!!! MUSE, WO BIST DU?!?! KÜSS MICH, ICH BIN EIN VERZAUBERTER A-PROMI!!!!!

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Das echte Leben

Eine Antwort zu “Komm schon, Muse, küss mich!!!

  1. Ein Freund aus der schreibenden Zunft bemerkte mal, er habe nie so viel Hausarbeiten zu erledigen, wie in dem Moment, wenn er anfangen will zu schreiben… vielleicht tröstet das?

    Oder Isabell Allende, die in „Paula“ ihr Schreibritual beschreibt: sie beginnt alle ihre Bücher am selben Datum, weil sie ihre ersten beiden Bücher zufälliger Weise an diesem Datum anfing zu schreiben, dann legt sie alle Bücher von Pablo Neruda und anderen Autoren, die sie bewundert um ihren Computer in der Hoffnung, daß ihr Geist sich auf den PC übertrage und dann „ruft sie die Geister“, damit sie ihr ihre Geschichte erzählen.

    Und Robert Gernhardt dichtete einmal:

    Komm erstes Wort,
    langersehntes,
    Geschenk der Götter, die
    de Dichter bedenken mit
    herrlichen alten Weinen
    wie dem von Castiglioncelli
    und mit
    herrlichen ersten Worten
    wie
    „Komm erstes Wort.“

    Viel Glück! wünscht:
    Claudia

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