Greif nach den Sternen, Vol. 2!

Ich liebe theaterblogs.de. Erstens lese ich so gut wie jeden Beitrag und habe Spaß und Lerneffekte dabei, zweitens bin ich durch Anjas öffentliche Arbeit mit „Der Weg des Künstlers“ selbst dazu gekommen das Buch zu kaufen und durchzuschaffen. Morgen beginnt meine achte Woche, und holla die Waldfee, bei mir hat sich einiges getan. Ich habe den Kuss meiner Muse bekommen, der zwar zart war, aber ich hänge nicht mehr rum und weiß vor lauter Ideen nicht, was ich zuerst aufschieben soll, sondern mach einfach. Ich probiere alles aus, worauf ich Lust habe (nächste Woche habe ich meine erste Flamenco-Probestunde, ich bin total aufgeregt!!!) und wenn mir was nicht gefällt, zwinge ich mich nicht es weiterzuverfolgen- auch eine Kunst für mich. Ich hab mich deshalb vor so vielen Dingen gedrückt, weil ich mich ständig selbst unter Druck gesetzt habe, dass alles, was von mir begonnen wird, auch bis zum bitteren Ende durchgezogen wird. Zusammen mit meinem bisher fast zu Tode gepflegtem Perfektionismus habe ich im Nachhinein gesehen also unterträgliche Qualen erlitten.
Befreit von diesen habe ich entspannt (jawohl, ich nutze dieses Wort in Zusammenhang mit meiner Arbeit) angefangen an meinem Programm zu basteln- und ich lache zuweilen. Ich hab bisher noch nichts nochmal durchgelesen, was dem Dichterinnenherz so zu entströmen pflegte, weil ich meine neuen Ideen tippe. Das klingt jetzt nach ner externen Festplatte voll mit kabarettistischem Gut, ich lasse es geheimnisvoll einfach mal so stehen…
Über mich selbst hab ich nebenher noch einiges mehr gelernt, ich habe zum Beispiel festgestellt, dass ich mich echt liebe- nicht lachen, das wusste ich vorher noch nicht, ich hab eigentlich ständig an mir herumgemäkelt. In einem Brief meines achtzigjährigen Selbst (Selbstes? Selbsts?Egos????) an mein momentanes Ich habe ich mir Tipps gegeben, die ich beherzt umsetze. Nur klappt das nicht immer. Wäre ja auch ein dermaßen großer Schritt, dass ich jetzt Flügel haben müsste, die jeder sehen kann. Und DANN bekomme ich jedes Mal, wenn ich wieder frustriert über mich und meine blöden Anfälle innerlich schreiend da stehe, einen Wink oder eine Mahnung oder ein kleines Wunder oder eine Erleuchtung. Mein Draht zum lieben Gott ist der Knaller, so ist das.
Heute morgen zum Beispiel war es wieder so weit. Ich bin in den letzten acht Wochen drauf gekommen, dass es mir erstmal reicht (im Sinne von „isch möschte das nischt mehr“) hinter den Kulissen zu schaffen, ich will wieder auf der Bühne stehen. Das tue ich inzwischen als „Liedfee“ in einem Kindertheaterstück ein bis zwei Mal im Monat (JA!!!! DIE SCHÄFER SPIELT WIEDER!!!!) und es tut mir unglaublich gut. Ich will aber noch mehr machen, ich will spielensingenspielenspielensingenspielen.
Eine Freundin von mir hat mir von den Schwierigkeiten in einer Produktion erzählt, die ich sehr gut kenne und sie meinte, ich solle mich da mal wieder ins Gespräch bringen. Neben den Brettern wohlgemerkt. Ich wiederhole mich: Isch möschte das nischt. AAAAAABEEEER mein kleines fieses Teufelchen, das aus unerfindlichen Gründen immer auf meiner linken Schulter sitzt, flüsterte mir ab dem Moment ein, ich solle es doch probieren, es wäre ein Jo-hob, den ich könnte, ich mag die meisten Menschen da doch…… Kennt jemand außer mir auch diesen Riesenklops im Magen, der sich schmerzhaft aufs Herz drückt, wenn man über etwas nachdenkt, was man eigentlich nicht in seinen Gedanken haben will? Man mag es schlechtes Bauchgefühl nennen. ICH nenne es so.
Ich kann es nicht ansatzweise in Worte fassen, weshalb ich dieser Überlegung überhaupt ins Netz gegangen bin. Ich habe hier in Berlin endlich einen Pianisten gefunden, der mit mir arbeiten möchte (YIPPIE-AYE-YEAH!), ich spiele, ich bin hier angekommen und glücklich und dann überleg ich mir SO NEN DRECK?!?!?! Wissenden Auges würde ich da in mein Unglück rennen, nicht nur, weil neben der Bühne, nein, auch weil ich beim letzten Mal psychisch derart am Boden war, dass ich lange gebraucht habe, um mich wieder aufzurappeln. Ich würde mich unterordnen, wo ich mich nicht unterordnen möchte, ich würde leiden, weil ich etwas anderes machen will- aber die Schäfer überlegt sich das. Es ist beileibe nicht gesagt, dass ich diesen Job bekommen würde, ich muss ehrlich zugeben, ich glaube nicht einmal, dass sie mich haben wollten (ich war böse…), nichtsdestotrotz mach ich dran rum. Machte ich.
Ich zog nämlich heute nach all diesem Gehirnerbrochenen wieder meine Alltagskarte. Und was stand drauf????
Der aufmerksame Überschriftenleser wird es sich denken können.
GREIF NACH DEN STERNEN!
Was hab ich gelacht. Mir wurde einfach mal so wieder klargemacht, dass ich mich auf meinem selbst gewählten Weg auf dem genau richtigen Pfad befinde. Wer jetzt meinen Gedankenwindungen nicht ganz folgen kann- keine Sorge, ich verliere mich selbst ab und zu in einer Nervenbahn. Die einfachste Erklärung für meine „Erleuchtung“: Mir wurde mein von mir selbst auserkorenes Lebensmotto wieder vor Augen geführt. Einfach so. Und das wollte ich mittels dieses neuerlichen Schreibdurchfalles mit der theaterblogs-community teilen. Ich sollte öfter schreiben, dann werden die Berichte kürzer (und wieder hab ich mir selbst in die Tasche geschwindelt).
Wer es bis hierhin durchgehalten hat: Vielen Dank. Ich hatte Spaß beim Tippen, mir geht es wunderbar und ich strecke mich, mein nächstes Ziel ist der Sirius.

Advertisements

3 Kommentare

Eingeordnet unter Das echte Leben

3 Antworten zu “Greif nach den Sternen, Vol. 2!

  1. 😉
    habe bis zum ende „durchgehalten“. drück dich unbekannterweise aus der ferne! du machst das alles richtig!!!
    werde mir jetzt ein beispiel an dir nehmen!

  2. Ja, ja… Man muss eben nicht nur wissen, was man will, sondern auch, was man nicht will. Danke für den aufbauenden Beitrag. Bleib auf Kurs!

  3. Liebe Judith,

    erquickend und belebend nenn ich deinen Beitrag..vielen Dank…ich schiebe nämlich auch grad mal wieder auf…war eigentlich dabei meine 27 Favoriten in theaterjobs.de mal zu bearbeiten ( sprich mich zu bewerben…). Ich sollte mir selber ein paar Seiten auf dem PC sperren lassen…Facebook z.B…fiese Sache das…

    Aber jetzt mach ich weiter, weil DU mich motiviert hast!

    Greif fleißig weiter nach den Sternen..das fühlt sich GUT an!

    Alles Liebe!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s