Kostenlos oder umsonst oder was?

In meinem Dunstkreis befinden sich ja viele „Künstler“. Ich bin ja auch so einer. Auch noch eine „Schauspielerin“. Und „Sängerin“. Gleich zwei Mal daneben gegriffen bei der -ähem- Berufswahl. Mit vielen dieser „Künstlern“ bin ich über Facebook vernetzt und dort bin ich auf geradezu tragische Weise öfter unterwegs als ich eigentlich zugeben will.
Seit JAHREN taucht in diesem sozialen Netzwerk immer wieder dasselbe Problem in mannigfaltener Ausführung auf (mannigfaltenen Ausführungen? Also verdammt oft): Der darstellende Künstler an sich wird beschissen bis garnicht für das bezahlt, was er abliefert, und zwar in immer mehr Zusammenhängen. Wenn man von einigen wirklich gut bezahlten Anhängern der Zunft mal absieht. Auch ich verdiene meine Kuchenstücke und Schokobons nicht mit meinem teuer erworbenen Ausbildungsberuf, weils halt nicht langt. Viele tun was dagegen; es bilden sich Gruppen, Gewerkschaften, Zusammenschlüsse, damit wir endlich finanziell angemessen für die von uns geleistete Arbeit bezahlt werden. Man steht da noch relativ am Anfang, aber der erste bis vielleicht fünfte Schritt wurde gegangen. Ein Hoch darauf! Mir ist also das Problem des Viel-Machen-und-wenig-bekommens quasi professionell schon öfter begegnet. Muss ich mich jetzt eigentlich nicht weiter drüber auslassen, haben ja schon viele andere weitaus eloquenter als ich getan. Das dient jetzt auch nur als Vorrede zu folgender Frage, die ich mir immer öfter stelle:
Was glauben die Menschen eigentlich, woher Apps, Dienstleistungen und Gebrauchsgegenstände kommen???? Dass das alles irgendwo einfach wächst und man es sich nur pflücken muss um es sich anzueignen? Ich erlebe Menschen mit wirklich wohlgefüllten Geldbeuteln, die mit den neuesten Smartphones, Tablets und Computern herumhantieren und sich darüber aufregen, dass man für bestimmte Apps 1,79 € bezahlen muss. Die drei Mal im Jahr Urlaub machen und sich täglich für locker vier Euro eine Kaffeespezialität to go kaufen und sich gleichzeitig darüber aufregen, dass sie für einen Nachrichtendienst einmal im Jahr 89 Cent bezahlen sollen. Wer macht denn diese Apps? Und um noch weiter zu gehen: Warum bitte kauft man sich für teuer Geld das beste der besten Lebensmittel und weigert sich für den legalen Downloads eines Liedes nicht mal nen Euro zu bezahlen? Warum, frage ich mich und hiermit alle, die das lesen?
Auch ich bin orgiastisch verzückt, wenn ich ein Schnäppchen machen kann. Und wenn das gleiche Produkt in einem anderen Laden preiwerter zu haben ist, dann nehme ich das preiswertere Produkt. ABER ich bin mir dessen bewusst, dass ein Produkt hergestellt wurde und dass die Herstellung Kosten verursacht hat, an denen ich mich beteilige, wenn ich nutzniesse. JEDES PRODUKT. Auch eine App. Der oder die Programmierer müssen nämlich erstaunlicherweise auch essen, irgendwo schlafen, aufs Klo, sich anziehen und möchten, man glaubt es kaum, vielleicht auch mal ne Kaffeespezialität trinken, bei deren Preis sich mir als Schwäbin die Zehennägel bis zur Achillessehne aufrollen. Haben sie auch VERDIENT, nur VERDIENEN sie mit ihrer Leistung eventuell nichts.
Ich möchte jetzt nicht in die Diskussion einwerfen, dass die Produktionsstätten vieler Dinge unter aller Sau sind; das ist ein Fakt, der mein Herz eh schon schwer macht (ich versuche zum Beispiel keine Kleidung mehr zu kaufen, die in Ländern hergestellt wurde, wo die Arbeitsbedingungen katastrophal sind; es ist ein Anfang. Trotzdem hab ich nen Obstrechner.); aber man kann doch mal im Kleinen anfangen, bei sich:
Ich möchte für meine Leistung angemessen bezahlt werden, also bezahle ich andere für deren Leistung angemessen.
Auch wenn ich nicht die Leistung, sondern das Endergebnis erwerbe. Zum Beispiel eine Kaffeespezialität. Oder ein Lied, das ich mir wieder und wieder anhören kann. Oder eine App, bei der ich gefühlt drei Viertel meines Lebens damit verbringe mehr wissen zu wollen als andere. Wenn wir immer weniger bereit sind auszugeben, haben immer weniger Menschen Geld um es auszugeben und vielleicht haben auch immer weniger Menschen Lust was für wenig oder für umsonst zu machen. Das wäre doof. Kostenlos ist toll!!!!! Es darf nur nicht umsonst gewesen sein. Und Bezahlung ist eine sehr konkrete Form der Wertschätzung, und Wertschätzung braucht jeder Mensch. Und wenn man dann was kostenlos bekommt, DANN freut sich der Geber übrigens über ein „Danke“ . Aber DAS ist ein gänzlich neues Thema.

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