Einfach mal „Danke“ sagen und so

Es gibt da eine nette kleine Geschichte aus meiner Kindheit: Als ich mit meiner Mutter, der besten Mutter, die ich habe erwischen können, mal wieder beim Dorfmetzger zum Einkaufen war, streckte mir der Metzger zum Abschluss des Wurstthekenbesuchs das obligatorische Rädchen Gelbwurst hin (ja, bei uns gibts ne Wurst, die so heißt). Ich starrte auf die Wurst und meine Mutter, die beste Mutter, die ich habe erwischen können, fragte freundlich-mahnend: “ Wie sagt man?“ -„Ich mag keine Gelbwurst.“ Meine Mutter, die beste Mutter, die ich habe erwischen können, war nicht etwa peinlich berührt, sondern stimmte in das schallende Gelächter des im übrigen legendär coolen Metzgers ein, der mich fragte: „Was magst du denn dann?“ -„Bierschinken.“ Und nachdem er mir davon ein Rädchen, ach was, ein Rad kredenzte, sagte ich freudig und sehr artig „Danke!“ zu ihm. Und im Stillen jetzt auch meiner Mutter, der besten- ihr wisst schon.
Ich stelle in meinem Leben immer wieder fest, wie gesegnet ich mit meinen Eltern und Pflegeeltern bin. Ich hab eine sehr gute Erziehung genossen, die ich in den unmöglichsten Situationen anbringen kann- auch wenn meine Mutter, die beste undsoweiter, jetzt bestimmt zweifelnd den Kopf schüttelt. Zuhause war und bin ich nämlich zuweilen die Pest in Person. Geschützter Raum. Die müssen mich lieben. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, in dem Menschen vieler Generationen miteinander agiert haben, wodurch mir und den Kindern in meiner Umgebung ganz natürlich die Grundregeln des Miteinanders aufgezeigt und vorgelebt wurden. Respekt vor anderen, Hilfe für andere, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und wenn das zu schwer fällt, dann wenigstens Höflichkeit. Ist für mich totaaal normal. Deswegen bin ich zur Zeit umso erstaunter, wie wenig diese für mich und meine Kinderfreunde elementaren Zusammenlebensregeln für sehr viele Menschen meiner Generation und der knapp darunter nicht gelten, zumindest nicht in der Stadt, in der ich mich meist aufhalte. Mann, was sind die Leute Arschlöcher. Ich mache das in letzter Zeit vor allem an dem Wörtchen „Danke“ fest. Ein Beispiel. Ich betrete ein Kaufhaus mit Glastüren, die man selbst öffnen muss und die beim Loslassen gern so schnell zufallen, dass sie Gesichter neu modellieren könnten. Also checke ich, ob noch jemand nach mir kommt- und ja, eine Dame meines Alters läuft hinter mir. Also halte ich die Tür auf, damit sie durch kann. Tut sie, erhobenen Hauptes, ohne den Schritt zu beschleunigen, nein, sie stolziert an mir vorbei, würdigt mich keines Blickes, öffnet die zweite Tür, die nach dem gleichen Prinzip gestaltet ist, schwungvoll, geht durch und guckt nicht mal, ob ich auch rein möchte.
Punkt A: Wo war das „Danke“?
Punkt B: Aufhalten? Hallo?!?!?!
Diese Situation, leicht verändert, passiert jedes Mal. Jedes. Einzelne. Mal. Und ich halte auf und halte auf und hoffe und hoffe und nichts ändert sich.
Oder: Ich will in die Bahn einsteigen und sehe, dass da noch jemand angerannt kommt, also bleibe ich in der Tür stehen, bis der da ist, nur um dann angerempelt und aus der Bahn bugsiert zu werden.
Punkt A: siehe oben
Punkt B: AUA!!!!
Ich könnte jetzt noch, oh, wie ich könnte, aber ich will ja eigentlich auf nen Punkt kommen (Sandra liegt jetzt bestimmt vor Lachen auf dem Boden, weil sie weiß, dass ich die Kaiserin der Sanguiniker bin.) – warum sind denn so viele Menschen so achtlos unterwegs? Warum fehlt so vielen die Aufmerksamkeit? Wenn jemand mit seinem Smartphone in der Hand auf das Display starrend rote Ampeln überquert, finde ich das ja auch schon den Knaller, aber sehenden Auges andere Menschen nicht zu beachten und keinerlei soziale Interaktion zu beginnen finde ich gelinde gesagt traurig. Manchmal auch zum Kotzen, dann bin ich daheim dann nämlich kurz die Pest in Person und kotze sowas von über diese #%~%£¥*“ ab, dass es furchterregend ist.
Ich möchte dringend an euch alle, die das hier lesen, appellieren: Seid aufmerksam! Seid höflich! Sagt „Danke“, nicht, weil sich das gehört (das auch), sondern weil es dendiedas Gegenüber erfreut.
Es könnte ein Sysiphoskampf sein. Aber ich glaube an die Sahne auf dem Keks und das Gute im Menschen. Zeigt eure Erziehung. Macht Mama und Papa stolz. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Wenn ihr dann mal irgendwie irgendwann von jemandem ganz unverhofft eine nette Reaktion bekommt, dann zaubert das gute Laune. Glaubt mir. Ich habs erlebt.
Nur noch kurz: Ich hab darüber vor kurzem mit einer Bekannten geredet. Die antwortete mir, dass es aus dem Wald hinausschalle, wie es es hineinruft. In meinem Fall nicht. Ich bin keine Rotzgöre. Ich bin gut erzogen. Darauf lege ich großen Wert. Und das ist nicht mein Verdienst, sondern der meiner Familie. Deshalb lege ich da auch so großen Wert drauf- MamaPapaElgaRolf, ihr habt da echt was richtig gemacht. Vor allem ihr. Mein Bruder – nun ja. Der war ja auch nicht für meine Erziehung zuständig, sondern zum Ärgern und Ärgernlassen da. Klassiker der Menschheitsgeschichte könnte ich zum Besten geben. Klassiker.

Ich persönlich werde aufhalten bis zum bitteren Ende, und wenn ich dann die Türsteherin am Himmelspförtchen bin, lass ich jedem die Tür ins Gesicht knallen, der sich nicht bedankt. Sollte ich in der Hölle landen, kriegen die noch nen Dreizackpiekser in den Po dazu. Mit einem freundlichen „Gern geschehen!“

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Das echte Leben

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s