Verdammte Mistviecher

Heute mal keine tiefen Gedanken übers Leben. Die Höllenbrut nervt.
Ich hatte Nachtdienst, lag um halb Fünf heute morgen im Bett und musste mir den Wecker trotzdem auf 10.30 stellen, weil „zwischen 11.00 und 13.00“ ein Spediteur kommen sollte, der Pakete abholt, die nicht von mir und nur fast für mich gewesen wären. Deswegen hatte ich übrigens auch eine farblich aufeinander abgestimmte Schlafkombi mit anständig langen Hosen an. Rosa. In zwei Schattierungen. Aber das ist nicht das Thema.
Ich liege friedlich schlafend im Bett und träume, als ich bemerke, dass mein Bett von einem der haarigen Monster geentert wird. Nach nunmehr elf Jahren Monsterbesitzes kann ich im Dreiviertelschlaf meinen Arm ausstrecken und Katzen kraulen ohne aufzuwachen. Ich bedenke dabei nur nie, dass ich das mit versteckten Fingern machen sollte. Mir wird nämlich stantepede in den Zeigefinger gebissen. Zärtlich, dennoch fest. Daran erkenne ich, dass es der Dicke sein muss. Eini beisst nicht zärtlich, sondern herzhaft. Dennoch- es schmerzt. Ich wache also auf, schreie den Kater fröhlich mit „Aua!!!“ an, was für ihn übersetzt “ Ich bin jetzt wach, du darfst über die Blase trampeln und dich auch gleich drauflegen“ bedeutet. Dieser Aufforderung kommt er natürlich nach, gut erzogenes Miststück, dass er ist. Ein gequälter Blick auf den Wecker. 10.23. Mir wurden sieben Minuten gestohlen, dafür bekomme ich eine kostenlose Blasen-Schnurr-Massage. Wasserlassen wird zum sofortigen erklärten Ziel; also den Dicken zärtlich aus dem Bett geschleudert und auf zur Toilette. Ich möchte betonen: Ich fahre total drauf ab allein und ungestört im Bad zu verweilen, egal, welcher Beschäftigung ich dort nachgehe. Kannst du knicken. Der Blinde hört nämlich verdammt gut und schlüpft in eben jenem Moment mit ins Bad, als ich dabei bin die Tür zu schließen. Und er klaut liebend gern meine Unterhosen, wenn die zwischen meinen Knöcheln baumeln. Zu viel Information? Wenn andere über Kinderkotze schreiben, schreibe ich über meine Schlüpfer.
Im Bad trifft Blindi Eins auf Blindi Zwei, beide erschrecken sich, Blindi Zwei faucht, Blindi Eins will wieder raus, ich öffne die Tür, aber da steht dann auch schon der Hubschrauberlautschnurrende Dicke. Heute gehe ich mit geöffneter Tür aufs Klo.
Einen Stock tiefer treffe ich auf nur noch lauwarmen Kaffee. Ich mag keinen lauwarmen Kaffee. Also mache ich frischen Kaffee. Währenddessen kommt Blindi Zwei die Treppe runter, weil sie immer da sein möchte, wo ich bin. Oder auf dem Balkon. Sie rennt nur leider in den Dicken. Ein Gemetzel startet. Ich rette, was zu retten ist, heute mal kein Blut. Blindi Zwei hockt auf dem Tisch und faucht die Luft an, der Dicke streicht mir schnurrend um die Beine und verlangt Absolution. Da aber Blindi Eins aka Eini gerade nen Floh hat, rennt der blindlings (perfekte Umschreibung) in der Küche herum und kracht in seinen großen Bruder, der ihn kurzerhand legt. Eini fängt an jämmerlich zu schreien, während ich das heiße Wasser in die Kaffeekanne schütte. Ich eile zur Rettung, bin aber zu spät, weil inzwischen Tiri dem in Not Geratenen zur Seite stehen möchte und den Dicken anspringt. Ein kurzer Tumult. Der Dicke gewinnt. Wie immer. Alle drei sitzen strategisch günstig in der Küche verteilt und putzen sich. Ich setze mich erschöpft an den Küchentisch und möchte mit meinem Morgenritual beginnen. Keine Chance. Monsieur Le Grand will nämlich schmusen. Knapp sieben Kilo schwarzweißes Fell im Arm zu halten bedarf beider Arme. Er stinkt. Er wurde geputzt. Nach fünf Minuten hat er genug und will wieder runter. Spitze. Ich schenke mir heißen Kaffee ein. Der Kaffee schmeckt nicht, weil ich beim Kriegspielen zu wenig Pulver in die Kanne geschüttet habe. Ich hasse mein Leben. Inzwischen ist es halb Zwölf, die Zwiebel kommt und besucht mich kurz auf der Bank. Wenn ich nicht streichle, ist sie traurig. Ich streichle. Eini möchte auch, aber nicht auf den Arm, nein, das signalisiert er mir deutlich mit in meine Brustwarze gebohrten Krallen. Er kann weit fliegen…. Nein, Spaß, er kann nur weit fallen.
Ich würge den Kaffee runter, jetzt ist es sowieso zu spät. Blindi Zwei möchte auch gestreichelt werden und verliert vor lauter Ekstase vier Fünftel ihrer Haare über dem Tablet. Macht aber nichts, ich will die Penisverlängerungswerbung, die sie mit ihren Pfoten geöffnet hat, eh nicht lesen.
Der Spediteur kommt um Zwölf. Alles super, ich kann mich wieder hinlegen.
Aber zuerst muss ich die Brut auf den Balkon lassen. Also bleibe ich am Tisch sitzen, nicht, dass da draußen ne Party mit Fleischfetzen steigt. Mir ist aber kalt, deswegen mache ich die Tür zu. Die Zwiebel mag das nicht und sitzt mit weitaufgerissenen Augen draußen und maunzt ohne Ton, weil ich aber nicht sofort komme, dann doch mit Ton. Extrem kläglich. Wenn das einer hört, wird mir der Tierschutz auf den Hals gehetzt. Ich lasse sie rein und schließe die Tür wieder. Jetzt sitzt sie drinnen, starrt nach draußen. Und maunzt. Ich gebe auf.
Währenddessen findet Eini heraus, dass die Tischplatte, die auf dem Balkon steht, eine super Leiter abgibt. Leider wackelt die Leiter und fällt um. Nicht auf den Kater, der hockt oben und putzt sich. Nen Herzinfarkt hab ich trotzdem.
Der Dicke schmeißt sich verführerisch vor meine Füsse, als ich die Tischplatte wieder hinstelle. Ich streichle. Das wollen die anderen auch, aber ich hab nur zwei Arme. Also gut. Ich fahre in den Katzen-Bespaß-Modus und mache Späßchen, streichle, spiele Fangen und Grünguttonneauspacken. Nur bin ich plötzlich ganz allein auf dem Balkon. Die vier haarigen Ungetüme sind weg. Liegen irgendwo in der Wohnung und pennen. Ich bin hellwach.
Ich mag keine Katzen.

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