Enthüllungen

Ich habe lang nichts von mir hören lassen. Das liegt daran, dass ich mit mir gerungen habe, ob ich mich endlich in der Öffentlichkeit zu etwas bekenne, von dem bisher noch kaum einer weiß. Jeder Mensch hat Geheimnisse; solche, die er nur mit einem erlesenen Kreis eng Vertrauter teilt, solche, derer er sich schämt und von denen er hofft, dass sie niemals ans Tageslicht kommen und solche, die irgendwann von Geheimnis zu Allgemeingut werden. Geheimnisse sind etwas Kostbares, finde ich. Also zumindest ein paar. Zumindest die berühmte „geheime Zutat“ in einem besonders lecker schmeckenden Essen- an dieser Stelle möchte ich übrigens dafür plädieren solche Rezepte nicht mit ins Grab zu nehmen. Meine Oma hat den weltbesten Träubleskuchen der Welt gebacken und es versäumt mir ihr Rezept mitzuteilen. Es hat mich Jahre und etliche misslungene Versuche gekostet, bis ich das Rezept herausgefunden habe. Welch Verschwendung. Ich hole jedoch nach.

Andere Geheimnisse sind reizvoll; früher haben meine Eltern kurz vor Weihnachten und Geburtstagen englisch oder französisch miteinander gesprochen, was die Vorfreude bei mir ins Unermessliche steigen liess. Ich wurde übrigens nie enttäuscht. War dann vorbei, als ich dieser Sprachen selbst mehr oder weniger mächtig wurde (und wie man weiß, spreche ich papa, dieser Ausweg blieb meinen Eltern also verwehrt).
Wiederum andere Geheimnisse sind schambehaftet. Ich litt jahrelang unter Schuppenflechte, und zwar an den Armen und Beinen, weshalb ich selbst im Hochsommer langärmlig vor mich hingeschmolzen bin. Als ich dann vor einer Premiere mit eigentlich blickdichter Strumpfhose vor der Kostümbildnerin stand, die mir schreckensverzerrtem Gesicht auf meine Beine zeigte und „Oh mein Gott, was hast du denn da?!?!?“ kreischte, antwortete ich „Lepra.“ Meine Schuppenflechte ist wesentlich besser geworden, ein Geheimnis ist sie jetzt auch nicht mehr.

Wiederum andere Geheimnisse werden durch Zufall enthüllt. So zum Beispiel Plagiatiererei. Auf meinem Rombesuch habe ich entdeckt, dass „Fuchur“ bereits in der Antike auf unserer Erde war:

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Nun, mein Geheimnis, das ich mit der Welt teilen will, nein, muss, denn es zerreisst mich, frisst mich auf, macht mich einsam, lässt mich nachts in die Kissen schreien- ach, ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. Meine Familie weiß von nichts. Wie werden meine Eltern reagieren? Wird mein Bruder mich noch in seine Arme schliessen? Ich weiß nicht, ob mich die Enthüllung einsam machen wird, noch einsamer, als ich mich sowieso schon fühle. Werde ich noch Freunde haben? Werde ich ein Leben führen können,das man noch lebenswert nennen kann?

Es hilft alles nichts. Es muss raus. Jetzt wird sich meine wahre Stärke zeigen, die ich bisher oft nur als Schild vor mir hergetragen habe. Es ist an der Zeit.

Ich bin Batman.

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