Archiv der Kategorie: Das Leben ist schön!

Ich versuche immer wieder was Schönes im Leben zu finden. Und aufzuschreiben.

Wie ich in Stoff ertrank – oder Nähen für Fortgeschrittene als Anfängerin

Zuallererst- nein, das wird jetzt kein Do it yourself- Blog werden, dazu mache ich viel zu wenig yourself und das, was ich mache, gibt es wahrscheinlich alles bereits Schritt für Schritt mit wesentlich größerer Begeisterung in Wort und Bild festgehalten. ABER ich hab mir ein solch dermaßen großkotziges und unglaubliches Projekt vorgenommen, dass ich dachte, das teile ich mal mit der Welt.

Kurz nach meinem Andalusienurlaub bekam ich ein Flamenco-Workshopangebot mit der unvergleichlichen und von mir heißgeliebten Leonor Leal, die Ende Dezember für drei Tage in Berlin aufschlagen würde, in die Finger. Unter anderem bot sie einen „Bata de Cola“ – Kurs an- für den geneigten, aber unwissenden Leser: die Bata de Cola ist ein Schleppenrock mit einem ziemlich langen Schleppendings hinten, das man erfahren und elegant mit den Beinen in der Gegend herumschleudern kann. Wenn man es kann. Da ich es nicht konnte, es aber immer lernen wollte, habe ich mich kurzerhand angemeldet. Jippieh!

Danach- also nach der verbindlichen Anmeldung- ist mir dann eingefallen,  dass ich da bestimmt mit einer Bata ankommen sollte, ich will ja nicht nur die Luft herumschleudern. Wird ja nicht so schwer sein, dachte ich mir, Berlin als Weltstadt hat ja in jedem Bezirk erfahrene und großartige Bata- Dealer. *hier bitte höhnisches und fünf Minuten langes schrilles Gelächter einfügen*

Nach einer mehrstündigen Suche im Internet war ich um folgende Erkenntnisse reicher:

Nein, in Berlin kann man sowas eben nicht einfach mal so kaufen.

Man kann sich eine Bata schneidern lassen, das kostet dann aber ab 300 Euro aufwärts.

In meiner Größe gibt es keine gebrauchten Batas.

Wenn man sich das schneidern lässt, dauert das so lange, dass ich den Kurs ohne Schleppe machen muss. Oder man gibt richtig Geld aus.

Und DANN hatte ich die ZÜNDENDE Idee. Ich nähe mir einfach selbst so einen Rock. Kann ja nicht so schwer sein. *hier bitte Horrofilmsoundtrack der eigenen Wahl kurz im Kopf erklingen lassen*

Also wurde nach einem passenden Schnittmuster gesucht; das habe ich dann tatsächlich in rasender Geschwindigkeit gefunden, und zwar auf der von mir inzwischen sehr geliebten Seite www.flamencodressmaking.com

Die Betreiberin dieser Seite, Anke Herrmann, lebt in Granada, ist Deutsche und liebt Flamenco und die dazugehörenden Anziehsachen. Ihre Tutorials und Blogbeiträge, die ich inzwischen auswendig kenne, machten mir Mut, so dass ich mir das Schnittmuster für die Bata zulegte und das „for advanced sewers“, das daneben stand, als nebensächlich abgetan habe. Ich weiß, wo die Steckdose neben meinem Sekretär steht, ich kann Faden in meine Nähmaschine und meine Overlockmaschine einfädeln, WAS SOLL SCHON SCHIEFGEHEN?! Außerdem habe ich ihr unverschämterweise auch geschrieben und eine liebenswerte und extrem hilfreiche Antwort erhalten, ich schaffe das schon!

56 Din A – 4 – Seiten später hatte ich auch schon das Schnittmuster in der Hand und musste nur noch zusammenkleben.

Schnittmuster

Ich bin so dankbar, dass ich genug Platz auf dem Boden habe… Natürlich ging das Ganze nicht so einfach, ich bin ja bekennende Bastellegasthenikerin und kriege keine zwei Blätter sauber zusammengeklebt. Die Ränder haben nicht zusammengepasst, entweder war die Länge oder die Breite falsch, und als ich dann versucht habe die Bahnen miteinander zu verbinden, hab ich Wülste hingekriegt.

 

Ich habe geflucht. Wie ein Bürstenbinder.  Doch schließlich und endlich…

… nach harter und unsauberen Stellen vertuschender Arbeit hab ich das Schnittmuster fertig ausgeschnitten auf dem Boden gehabt. Und ja, das sind ewig lange Bahnen. Und ja, als ich zum ersten Mal gesehen habe, mit welchen Mengen Stoff ich da zu tun bekomme, ist mir die Düse gegangen. Dabei hatte ich da noch garkeine Vorstellung….

Super, wenn so ein Schnittmuster fertig ist. Blöd nur, wenn man zum Schnittmuster keinen Stoff hat. Aber toll, wenn auf der Website mit dem Schnittmuster Links zu spanischen Onlineshops stehen, auf denen man auch nach Deutschland bestellen kann. Ich habe nämlich nicht die geringste Ahnung, wo ich in Deutschland Stoff wie Flamencopopeline oder Can-Can herkriegen soll und die Quellen, die ich angezapft habe, waren ebenfalls ahnungslos.

Das professionelle Schneiderlein an sich bestellt sich sicherlich Stoffmuster, aber die Schäfer geht auf die Internetseiten, guckt sich aus, was sie so haben will, gibt hundert Euro für Stoff aus und dann geht ihr die Düse. Wozu auf Nummer Sicher gehen, wenn man sich für lau nen Herzkasper basteln kann?

Ich habe in zwei Shops bestellt, an einem Donnerstag. Am Montag war das erste Päckchen da und am Donnerstag drauf das zweite. Also Respekt. Ich habe gewaschen, was gewaschen werden durfte und dann hab ich zwanzig Meter Stoff gebügelt.

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Ich habe es gehasst.

Vom Beschluss bis zu diesem Schritt hat es übrigens eine Woche gedauert. Ich habe eine weitere Woche verstreichen lassen, bis ich mich dazu entschließen konnte, das Schnittmuster auf den Stoff zu übertragen und auszuschneiden. Weil ich mich kenne und weiß, dass ich zu Schludrigkeit neige und weil ich wusste, wenn ich es versemmle, dann kann ich es nicht so einfach entsemmeln, hatte ich Schiss. Und wir reden hier immer noch davon, dass ich Schiss vor dem Rock an sich hatte. Dazu später mehr.

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Schließlich und endlich hab ich angefangen und erst die schwarze, dann die weiße Popeline zugeschnitten, mit stark klopfendem Herzen. Damit ich mit das doppelte Übertragen spare, habe ich den Stoff doppelt genommen und mit Stecknadeln (eine Erfindung der Götter!) zusammengeheftet. Der Rock wird nämlich gefüttert, damit er schwerer ist und nicht verrutscht.

Dann dachte ich mir, bevor ich anfange zu nähen, schneide ich noch eben die Stoffe für die Volants auf der Ober- und Unterseite zu. Extra dafür hab ich mir einen sauscharfen Rollschneider gekauft, mit dem ich mir auch nur drei Mal in den Finger geschnitten habe. Die Halbkreise hab ich achtundsechzig Mal ausgeschnitten, in dreieinhalb Stunden, den CanCan hab ich in wesentlich kürzerer Zeit geschnitten, dafür ist der auch ein wenig unsauber geworden… Und mein rechter Zeigefinger ist vorn taub, immer noch. Wird aber langsam. (Ist praktisch beim Kochen, ich merke nicht, wann ich mich verbrenne.)

Jetzt ist also alles zugeschnitten und ein Haufen Stoff liegt bei mir rum. Ich könnte also anfangen. Mein Problem ist nur, ich trau mich nicht. Bisher musste ich jedes Mal, wenn ich mich an die Nähmaschine gesetzt habe, irgendwas wieder auftrennen, dann hab ich mich mit dem Schnitt vertan und musste mal Stoff nachkaufen, dann hab ich es überhaupt nicht gerafft und hab dauernd die falschen Teile zusammengenäht und so weiter. Davor hatte ich diesmal schiere Panik, wir reden ja von zwanzig Scheißmetern.

Trotzdem habe ich das Projekt Bata de Cola den ganzen Tag rund um die Uhr im Kopf, ich überlege mir, bevor eine Nähnadel auch nur in die Nähe der Popeline gekommen ist, bereits, wie ich das mit dem Reissverschluss wohl am besten hinkriege, ob ich die Volants mit Rundsaum oder Schrägband versehe, wie hübsch das wohl aussehen wird und ob ich damit tanzen kann. Und was ich machen soll, ich hab nämlich einen zu großen Bauchumfang. Der Schnitt passt wie ne Eins, aber am Bauch fehlen vier Zentimeter und da der Rock wie angegossen sitzen soll, ist das ein Problem. Ich hirne und hirne und hirne und denke mir dann, warum nicht einen Keil einsetzen, der bis zur Mitte des Oberschenkels geht und spitz zuläuft? Wenn ich den gesamten Schnitt vergrößere, dann auch an den Stellen, die exakt passen, das geht also nicht.

Zum GLÜCK habe ich im fernen München meine Lieblingstante, die Damenschneidermeisterin ist. Die rufe ich also an und lege ihr meine Idee dar, ob das so machbar sei. Und sie ist begeistert, meint sogar, dass wahrscheinlich nicht mal sie auf diese Idee gekommen wäre. Ich platze vor Stolz über meine grandiose Idee, in der Theorie bau ich ne Bombenbata zusammen. Ich nähe aber noch immer nicht. Im Kopf schon, aber heissa, ich habe Schi-hiss.

Bei einem Telefonat mit meiner Mutter schießlich wird ihr mein Gejammere zu bunt und sie herrscht mich an, ich soll das ganze Zeug eben mit zu ihr bringen, wenn ich im November heimfahre und bei ihr nähen, sie hilft mir dann schon. Gesagt, getan, die Judith, ihre Ovi, zwanzig Meter Stoff (ich nehme vorsichtshalber alle Schnittreste mit, falls ich basteln muss) und Reissverschluss fahren gen Süden.

Der Urlaub bei meinen Eltern hätte ein entspannter Wir-essen-und-trinken-und unterhalten-uns-Urlaub werden sollen, aber kaum war ich zuhause, saß ich auch schon an der Nähmaschine meiner Mutter und habe losgelegt. Meine Mutter hat sich anderthalb Jahre zuvor eine Quilthammermegamaschine gekauft und ich raste vor Wonne ob der gazen Knöpfe, die man da bedienen darf, aus. Da ich lediglich gerade Stiche brauche, ist die Maschine natürlich absolut unterfordert, aber hey, ich arbeite ohne Fußpedal, verrenke mir dadurch den Rücken nicht und arbeite in Rekordgeschwindigkeit los.
Bis ich merke, ich fange ja mit der Ovi an- man will es professionell, man versäubert die Kanten wie eine Große. Das Futter wird auf den Außenstoff gelegt, mit Nadeln zusammengesteckt und mit der Ovi versäubert. Da hol ich mir dann Rücken, weil die n Fußpedal hat, aber was soll´s.

 

Dann kommt das Zusammennähen dran. Und NATÜRLICH versemmle ich die allererste Naht. Ich nähe zwei falsche Teile zusammen. Ich kann nicht mal sagen, woran ich das gemerkt habe, aber als ich die erste Naht stolz angucke, denke ich mir, hm, sind das auch die richtigen Teile, und nein, sie sind es natürlich NICHT. Auftrennen ist beim Nähen das, was ich am besten und saubersten kann. Ich habe jahrelange Übung darin, der Nähtrenner ist mein bester Freund.

Zum Glück war es die erste Naht. Ich reisse mich zusammen und mache das Ganze wieder auf, lege jedes Teil sorgsam zurecht, überprüfe das mindestens dreißig Mal und dann lege ich los.

Es läuft wie am Schnürchen, ich nähe und nähe, kriege den saubersten Reißverschluss der Welt hin (für meine Verhältnisse) und dann kommen die beiden Seitennähte. Der Keil des Grauens will gebastelt werden. Aber was soll ich sagen? Ich messe das kurz an mir aus, schneide aus Futter und Außenstoff zwei Keile, nähe die rein, indem ich den Keil erst mit der Vorderseite verbinde und dann beide Seitennähte schließe und, wer hätte das erwartet, der Rock passt. Wie. Eine. Eins. Er sieht großartig aus. Ich könnte nach vier Tagen Arbeit platzen vor Glück.
Nur ist leider noch nicht ein Zentimeter Volant genäht.

Man erinnert sich an die 68 Punktestoffkreise, die nun alle miteinander verbunden werden wollen? Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Siebenundsechzig Mal die Ovi zu bemühen um 12 Zentimeter zu schließen ist die langweiligste und dööfste Aufgabe der Welt. Nein, es wird getoppt vom Rand, der auf beiden Seiten ebenfalls versäubert werden will; da ich erstens zu faul und zweitens zu knickig bin mir zehn Meter Schrägband anzutun, wird es ein Rundsaum. Das dauert alles in allem so um die fünf Stunden. Ich war so genervt, ich hab kein einziges Foto davon geschossen. Und dann musste ich die Lage der Volants auf den Rockstoff übertragen. Zum Glück haben meine Eltern ein großes Wohnzimmer, in dem ich den Rock auf den Boden legen und losmalen konnte. Ich habe zwei Tage Pause gemacht, weil ich mir dermaßen in die Hosen geschissen habe, dass ich das nicht hinkriege. Dermaßen.
Dann nahm sie all ihren Mut zusammen, die lustige Frau, und nähte los. Stück für Stück, gaaaaanz langsam, und nach weiteren drei Stunden säumten fünf Volants den Rock und alle haben sich gefreut, weil es so toll ausgehen hat. Dabei war der ja NOCH IMMER NICHT FERTIG. So ein Schleppenrock braucht nämlich auch Volants auf der Innenseite. Ich hab aber erst mal Urlaub gemacht, noch hatte ich ein paar Wochen Zeit, bis ich zum Workshop musste.

Zuhause angekommen und mit einer niegelnagelneuen Nähmaschine beschenkt ging es dann an die Volants auf der Innenseite. Das funktionierte diesmal nach einem anderen Prinzip und ich hab es mir gleich megadreckig gegeben und auf die großen Volants Minivolants genäht und beim Nähen hab ich gleichzeitig gefaltet. Nie. Wieder.

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Dreißig Meter weißer Cancan auf zwölf Meter schwarzen Cancan in Zeitlupe sauber nähen ist ÄTZEND. Und wenn man das dann hat, muss man alle schwarzen Cancanstreifen auch so falten und nähen. Und wenn das dann fertig ist, müssen alle gefalteten und mit weißem Cancan versehenen Streifen zusammengenäht werden. Und wenn das dann fertig ist, muss man die dann auf der Innenseite des Rockes anbringen. Drei volle Tage für den Mist. Mit drei Mal auftrennen, weil ich die Außenvolants mit vernäht habe, weil ich mal kurz schneller geworden bin. Und ich habe mit dem ganzen Stoff gekämpft, weil ich den kaum unter dem Nähfuß durchgeschoben gekriegt habe.

Ich habe drei Tage nichts anderes mehr als das gesehen. Ich war bedient. Und ich habe mich dennoch bemüht es so sauber wie möglich zu machen, ich wollte mich beim Workshop ja nicht blamieren…

Dann kam sie, die letzte Naht. Ich habe den Rock vorsichtig unter dem Nähfuß rausgeholt, bin aus dem Raum gegangen und habe erst mal eine Zigarette geraucht.
Dann bin ich zurück zum Rock gegangen, habe ihn gestreichelt und ihn in meinem Leben willkommen geheißen. Dann habe ich mein Nähzeug aufgeräumt. Und dann habe ich ihn zum ersten Mal angezogen.

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Ich bin so stolz.

Der Workshop war übrigens großartig; die Mittänzerinnen waren ganz angetan, dass ich den Rock selbst genäht habe und er trotzdem (ähem) so gut fliegt. Ich hab mich auch nicht ein einziges Mal auf die Fresse gepackt und kann ihn inzwischen wirklich schön wirbeln, auch wenn ich nach ner halben Stunde einen unglaublichen Muskelkater in den Unterschenkeln bekomme.

Den Keil muss ich inzwischen allerdings entfernen. Anscheinend war die Arbeit so belastend, dass ich Blut und Wasser in rauhen Mengen geschwitzt habe.

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Will jemand eine Bata de Cola? Soll er googeln.

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Meine fünf Cent

Ich habe lange nicht mehr geschrieben. Nein, eigentlich habe ich sehr viel geschrieben, aber es durchgelesen und dann wieder gelöscht oder als „Entwurf“ gespeichert. Ich weiß nicht, wie es mit diesem Text sein wird, ob ich die Eier in der Hose habe das im Internet zu veröffentlichen. 

Es geht um ein Thema, das mir den Hals abschnürt, das mich tief in meinem Innersten berührt, bei dem ich immer und immer wieder traurig werde, weil ich die Gesellschaft, die Personen, die um mich sind, oft nicht begreife.

Es geht um Menschen, die ihre Heimat verlassen und Schutz bei uns suchen. Menschen, die wir als Flüchtlinge aufnehmen oder aufnehmen werden. Und ich erlebe immer und immer wieder, dass im Zusammenhang mit diesen Menschen der Begriff „Geld“, der Begriff „Schmarotzer“, der Begriff „Wirtschaftsflüchtlinge“ fällt. Das Wort „Mensch“ kommt sehr, sehr selten vor. Es sind Flüchtlinge. Manchmal wird dieses Wort so ähnlich wie „Insekten“ ausgesprochen. Das macht mich traurig.

Zahlen werden in den Raum geworfen, wie viel kostet „den Steuerzahler“ ein Flüchtling pro Jahr. Beispiele werden genannt, wo die deutsche Bevölkerung eine Einschränkung hinnehmen muss, weil ein Flüchtlingsheim eingerichtet wird. Wenn ich entgegne, dass diese Menschen Hilfe brauchen, werde ich zum Schweigen gebracht, indem man mich fragt, wie viele denn bei mir wohnen.

In den sozialen Medien tritt ein offener Fremdenhass zutage, der mir solch große Angst macht, dass ich schweige. Ja, ich habe Angst. Gebäude werden angezündet, besorgte Bürger geben ihrer Sorge vehement Ausdruck und erdrücken mich mit ihrer Masse. Ich sage nichts, weil ich Angst habe.

Wie beschissen ist das bitte? Wie verkehrt ist diese Welt, dass ich mich- und jetzt bediene ich mich der gleichen Ausdrucksweise wie einige der Menschen, vor denen mir graut- in meinem eigenen Land vor anderen fürchten muss? 

Mein Blog wird nicht von vielen Menschen gelesen. Und in diesem kleinen, meinem Raum werde ich nun meine fünf Cent dazu geben.

Es geht nicht darum, wie viel ein Flüchtling kostet. Es geht nicht darum, dass Flüchtlinge Smartphones haben und warum. Es geht auch nicht darum, dass Wirtschaftsflüchtlinge ja nicht vor nem Krieg flüchten und deshalb keine echten Flüchtlinge sind. Es geht darum, dass Menschen, die existenziell bedroht sind, ob durch Krieg oder durch Hunger und Armut, zu uns kommen und Hilfe brauchen. ES GEHT UM MENSCHEN. Wieso diskutiert man über Kosten, wenn es um etwas so Wertvolles wie Leben geht? 

Unsere Geschichte sollte uns eigentlich demütig machen. Aber ich habe das Gefühl, wir sind raffgierig und luxusverwöhnt geworden, wollen vergessen, dass das, was wir zum Leben haben, viel mehr ist, als wir brauchen. 

Keiner von uns ist gezwungen irgendetwas zu tun. Man muss weder spenden noch helfen noch abgeben. Aber die Fremden willkommen zu heißen, das kostet nichts. Ihnen statt Hass Freundlichkeit zukommen zu lassen und statt Brandsätze zu legen nette Worte zu finden- das muss möglich sein. Und das zu äußern ohne angegriffen zu werden soll ebenfalls selbstverständlich sein.

Meine fünf Cent. 

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Auf, auf, nach Rom! Oder?

Nach zehnjähriger „Davon-Sprecherei“ fahre ich nächste Woche nun endlich mit meiner Mutter nach Rom. Gut Ding, was lange währt und so, ihr wisst schon.
Die Vorgeschichte dazu ist folgende:
Ich habe „Illuminati“ von Dan Brown in einem Rutsch durchgelesen und wollte quasi sofort Rom besuchen; ich gab meiner Mutter das Buch zum Lesen (sie war letztes Jahrtausend Au-Pair-Mädchen in der Ewigen Stadt und schwärmt heute noch davon), sie gab es mir kurze Zeit später zurück und meinte, es sei ein gutes Buch, aber „das stimmt nicht, das stimmt nicht und das stimmt nicht“ (und wir reden hier von der Richtung einer Pfeilspitze und solchen Details).
Meine Antwort war: „Super, das zeigst du mir mal, wir fahren zusammen nach Rom!“ Die beste Mutter, die ich habe erwischen können, bejahte.
Jahrelang sprachen wir immer mal wieder davon, langsam, aber sicher wurden wir vom Umfeld belächelt, weil wir kein konkretes Datum vorzuweisen hatten, man glaubte nicht, dass die beiden Frauen jemals den Arsch hochkriegen würden- und letzten September, zwei Tage nach dem siebzigsten Geburtstag meiner Mutter, haben wir endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Zack, bumm, Flug und Apartment gebucht- über den Dächern Roms, mit Dachterrasse- und nächste Woche gehts los.
Ich freue mich wie Sau, meine Mutter freut sich sogar auch, nachdem sie feststellen durfte, dass die Tochter sich um alles Organisatorische mit hysterischer Begeisterung kümmert, sowas wie Transfer vom und zum Flughafen, Apartment-Öffis-Verbindung; und dann hab ich außerdem das beste Muttertagsgeschenk EVER: Eintrittskarten für die Vatikanischen Museen und die Sixtinische Kapelle. Tausend Tochterpunkte. At least.
Und DANN. DANN. DANN!!!! Die Piloten der Lufthansa beschließen zu streiken. Mit 48stündiger Vorankündigung. Man verstehe mich nicht falsch, Arbeitskampf oleole, Streik ist ein Mittel, das ich nicht grundsätzlich verteufle, ABER NACH ZEHN JAHREN HOFFEN, WÜNSCHEN UND BANGEN WILL ICH NÄCHSTE WOCHE NACH ROM!!!!
Nun gut. Wir müssen quasi nur den Montag ohne Vorankündigung überstehen. Aber mein Magen macht das nicht mit- er wird sauer. Ich tue zwar ganz entspannt, meine Mutter tut ganz entspannt, aber der saure Magen macht mir mehr und mehr Schwierigkeiten. Ich will ja niemanden belasten, vor allem nicht die vorfreudige Mutter, dennoch muss ich eben kurz mal daheim anrufen und sagen, dass ich nen sauren Magen habe. Mama bemitleidet mich und erwähnt so nebenher, dass sie mit meinem Dad besprochen hat, wenn die Piloten streiken, dann fährt er uns eben nach München und wir fahren mit dem Zug nach Rom. Habe ich schonmal erwähnt, dass ich die beste Mutter habe, die ich habe erwischen können?! Die Frau, die gern mitkommt, wenn sie so wenig wie möglich organisieren muss, organisiert unsere Anfahrt. Der beste Vater, den ich habe erwischen können, fährt uns dann einfach mal nach München. Und der saure Magen verschwindet, wird ein wohligwarmer Magen. ROM, WIR KOMMEN! Egal, wie, Judith et Mamma ante portas. Aleae iactae sunt. Ich kann kein Italienisch. Aber bald.

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Man spricht papa

Mein Vater ist mein Held. Ich bin seine über alles geliebte Tochter, für die er (fast) alles macht. Perfekt, oder?!
Er ist ein Tüftler und Erfinder und bastelt jedes Problem weg; bei uns gibt es nichts, was nicht wohl durchdacht und bestechend in seiner Logik funktioniert. Früher wäre er Erfinder von Beruf geworden.
Wir sind uns in vielen Dingen überaus ähnlich, so zum Beispiel im Vernuscheln und praxisnahen Zusammenziehen mehrerer Wörter; da ich mal Sprechunterricht hatte, ist das bei mir nicht mehr so ausgeprägt, aber ich bin diejenige in der Familie, die meinen Vater am besten versteht, wenn er redet. Weil ich auch so reden würde, hätte meine Berufswahl es mir erlaubt. Da mein Vater aber auch in seiner Sprachwahl äußerst praktisch veranlagt ist, verlassen seinen Mund ab und an Neuerungen der deutschen Sprache, die seinen Erfindungsreichtum und ebendiese praktische Veranlagung unterstreichen.
Ich sorge mit Freuden dafür, dass seine Wortschöpfungen in die Welt hinausgetragen und gern zu geflügelten Wörtern in meinem Bekanntenkreis werden. Beispiele:
Schnadapter – erklärt sich von selbst, man entferne gedanklich die ersten vier Buchstaben
Schmierwurschd – „ist mir egal“
Muppets – Muffins
Blockblöd – Blockflöte

Mein Vater denkt einfach gleichzeitig so weit voraus, dass die Sprache sich ab und an verselbstständigt. So weit die Erklärung. Abgesehen davon spricht er so fliessend Französisch, dass die Franzosen selbst ihn für einen der ihren halten (und er erzählt gern grinsend, dass er in der Schule eine Fünf in dem Fach hatte; hat er eben Mathe studiert).

Neulich jedoch hat er sich in seiner Praxisnähe selbst übertroffen:
Ich wollte wissen, wann meine Mutter und ich in Rom auf dem Flughafen landen- meine Mutter und ich machen Urlaub in Rom, nachdem wir zehn Jahre davon geredet haben, ich freu mir ein zweites Loch in den Arsch- und da er die Bestätigungsmail hat, begab es sich, dass folgender Dialog entstand (der Einfachheit halber sind bestimmte Worte in Lautschrift geschrieben):
Papa: „Also, ihr fliegt mir AirBerlin.“
Tochter: „Ich dachte, wir fliegen mit Germanwings?!“
Papa: „Was hab ich gesagt?“
Tochter: „AirBerlin.“
Papa: „Nein, Germanwings. Und ihr kommt 14.15 auf dem Fiumitschinano an.“
Tochter: „Fiumitschino, Papa.“
Papa: „Fiumitschinoni.“
Tochter: „Fiumitschino, Papa.“
Papa: „Fiumitschinona.“
Tochter: „Fiumitschino.“
Papa: „Fiumitschinini.“
Mutter von irgendwo aus dem Wohnzimmer brüllend: „FIUMITSCHINO!!!!!“
Papa: „In Rom. Ihr wisst ja, wo ihr seid.“
Mein Papa ist einfach total praktisch veranlagt.

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Ich bin, wer ich bin! Jawohl!

Ich habe mich entschlossen mehr zu veröffentlichen. Das wird hart.
Themen gibt es ne ganze Menge; ich war ein paar Tage bei einer meiner besten Freundinnen in Hamburg und wir haben quasi nonstop durchgeredet. Wir zwei können das. Alles, was wir so angeschnitten und durchgesprochen habe, wäre einer Erwähnung wert, aber ich selektiere dennoch. Soll ja ein Blogbeitrag und kein Gesellschaftsroman werden. (Oder doch?!) Nun, eine Sache, auf die ich während eines meiner wertvollen Monologe, die zum Weltfrieden beitragen könnten, würden sie denn mitgeschnitten, gekommen bin, ist folgende:

Ich möchte mein Leben, so unperfekt es in vielerlei Hinsicht scheinen mag, mit niemandem tauschen. Folglich bin ich auf niemanden neidisch. Wenn ich eine Sache haben will, muss ich das ganze Leben mitnehmen. Will ich nicht. Ich möchte meine Erfahrungen, meine Freunde, meine Entscheidungen, mein Übergewicht (ja, vielleicht sogar das, ist aber ein komplett neues Thema; wie gesagt, ich möchte mehr veröffentlichen), meine Krankheiten, mein Können, mein Unvermögen, meine eventuelle Hypersensibilität (hab ich neu gelernt, mein Wahn könnte einen Namen haben), meine Lebensfreude, meinen Irrsinn, meine überschäumende Phantasie, mein Umfeld, meine Familie und die bucklige Verwandtschaft (obwohl….), meine Träume, meine Enttäuschungen, meine Fehler, meine Stärken, einfach alles behalten. Weil mich all das zu mir macht.
Ich habe in diesem Selbsterkenntnisgespräch fünf Minuten vorher noch darüber lamentiert, dass niemand sonst vierundzwanzig Stunden am Tag mit mir und in mir stecken muss und dass das eine echte Aufgabe ist. Nach meiner Nichttauschenwollenentdeckung habe ich dann aber tatsächlich damit angefangen mir selbst gegenüber nachsichtiger und sanfter zu werden. (Achtung, der folgende Text könnte schwurbelige pseudolyrische Ausdrücke enthalten.)
Wenn ich wieder mal mit mir selbst rede, höre ich mir zu und lache ab und an sogar. Ist zuweilen wirklich witzig. Wenn ich wieder mal im Chaos versinke, setze ich mich mit einem leckeren Getränk meiner Wahl mittenrein und überlege mir, was ich eigentlich gern tun würde, woraufhin entweder das Chaos oder ich aus dem Chaos verschwinde(t). Ich nehme mich ernster und beurteile mich nicht mehr dauernd selbst mit den angeblichen Augen von außen. Diese ominösen Außenstehenden stecken ja nicht in mir drin und wissen auch äußerst selten wirklich, was gut für mich ist. Ich weiß das auch nicht immer, aber das andauernde Zusammensein mit mir hat gezeigt, dass meine Fehlerquote beim Einschätzen meiner selbst die geringste ist. Und ja, ich glaube, dass mir Schokobons in großen Mengen manchmal gut tun.
Ich stecke noch mitten im Lernprozess; man wird den einen oder anderen Stolperer erwarten dürfen. Aber wie heißt es so schön: „Aufstehen, Krönchen richten, weiterstolzieren.“

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Bin ich Mensch oder Mitglied?

Nach einiger- ziemlich ereignisreicher- Zeit sitze ich wieder mal vor meinem Blog. Eigentlich wollte ich eine ellenlange Entschuldigung darüber schreiben, dass ich mein Projekt „Das Leben ist schön!“ so sang- und klanglos habe im Sand verlaufen lassen, aber dann bin ich auf einen Entwurf gestossen, den ich im September 2012 geschrieben habe. Warum ich ihn nicht veröffentlicht habe, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Beim heutigen Durchlesen fand ich ihn jedoch veröffentlichtwerdenswert (ist das ein Wort oder eine Krankheit?), auch wenn meine Lebenssituation sich in der Zwischenzeit wesentlich verbessert hat.

Nichtsdestotrotz ist hier der Blogbeitrag, den ich am 22.10.2012 als Entwurf gespeichert habe:

„Ein Thema, das mich seit längerem sehr beschäftigt, ist das folgende:

Wir Menschen kommen auf die Welt, OHNE dass uns irgendjemand vorher gefragt hat. Wir werden in verschiedene Staatsformen hineingeboren, von denen ich persönlich bisher umfassend und aus diversen Perspektiven die des deutschen Staates erleben durfte. Dafür bin ich nicht undankbar. Hätte ich es mir aussuchen dürfen- aber was solls, hätte der Hund nicht gekackt, hätte er den Hasen gefangen. Ich bin jetzt 34 Jahre alt und habe in meinem Leben viel erfahren und wurde in letzter Zeit professionstechnisch weniger gut behandelt. Vom Leben, nicht zwingend von Menschen. Um genau zu sein: Mir wird das Gefühl vermittelt, dass ich kein genügendes Mitglied der Gesellschaft bin. Ich verdiene zu wenig um komplett auf eigenen Beinen zu stehen, die Steuern, die ich bezahlt habe, sind bereits für drei Schlaglöcher draufgegangen, die schon wieder neu versiegelt werden müssen und meine Bestrebungen mich ernähren zu können werden nicht so richtig von Erfolg gekrönt. Immer nur fast. Fast reicht nicht. Ich bin weder faul noch dumm, ich suche nach neuen Möglichkeiten, aber das zählt nicht. Was zählt, ist sozialversichert. Mir als Abitursinhaberin wurde nahegelegt einen Kurs zu machen, in dem ich meinen Hauptschulabschluss nachmachen könne. Wozu, frage ich mich und die Welt? Macht mich das zu einem besseren Gesellschaftsmitglied? Bin ich dann was wert? Macht es den Wert eines Menschen so sehr aus, wie er finanziell gesehen dasteht?

Ich hab auch meinen Stolz, aber ich finde ihn leider nicht mehr. Ich fühle mich klein und unfähig, eigentlich sogar wie ein Schmarotzer, der zu Lasten der Welt vor sich hin existiert. Ich bin nicht die einzige, die sich so fühlt. Aber ich kennen niemanden, dem es so geht wie mir, weil jedes Mal, wenn ich das anspreche, andere Themen gefunden werden. Oder man versucht mir zu erklären, wie ich effizienter sein könnte. Ganz im Ernst: Wenn mir in den nächsten Tagen jemand das Wort Effizienz ins Gesicht sagt, reisse ich ihm das Herz heraus, mache Ragout draus und serviere es mit seinen Augäpfeln als Beilage. In Blutsoße.

Ich lese in vielen, wirklich guten und mit Herzblut geschriebenen Blogs darüber, wie ich mich besser verkaufen kann, wie ich meinen Marktwert steigere, wie ich mein Zeitmanagement optimiere, wie ich Geld machen kann, wie ich mich noch besser bei Bewerbungen verkaufen kann, wie ich mich nicht verstelle und trotzdem gut ankomme, wie ich den perfekten Teint hinbekomme, was ich tun muss, damit Caster mich einladen, wie ich mich bei einem Casting noch besser präsentiere, wie ich erfolgreich abnehme (HA!), wie andere Menschen „es“ geschafft haben. Was ist „es“ und warum will das jeder erreichen?

Ich scheine wider Erwarten nicht staatsfähig zu sein. Ich versuche mich nach diesen Vorschlägen zu richten und kacke dennoch regelmäßig ab. Und jetzt bin ich an dem Punkt, wo ich einfach nicht mehr möchte. Nein, nicht, dass ich mich vom Balkon stürze, die Zeiten sind vorbei, aber ich bin doch in allererster Linie ein Mensch. Und kein Mitglied. Ich bin doch auch wertvoll, wenn ich gerade mal kein Glück im Beruf (in welchem auch immer) habe.

Ich schreibe hier die ganze Zeit in der Ich-Form, aber ich bin überzeugt davon, dass es außer mir noch mehr gibt, die so denken. So zu denken ist anstrengend. Ich arbeite an einer nicht-kannibalistischen Lösung. Wer Ansatzvorschläge hat, möge sich melden.

Ich wäre nicht ich (ganz persönlich ich, hundert Prozent Judith Dorothea Johanna Schäfer), wenn ich diesen Beitrag so defätistisch enden lassen würde. Ich glaube an mich. Ich glaube an meinen Wert, ich glaube daran, dass das Leben seine hässliche Fratze wieder abnehmen wird. Menschen interessieren mich, und wenn es mir persönlich egal ist, wieviel im Geldbeutel von anderen Menschen ist, dann gibt es noch viele andere, denen es so geht.

Hiermit ein virtueller Drücker an all diejenigen, die sich schlecht fühlen und ihren Wert suchen. Wert geht nicht verloren. Wertvoll sein bedeutet so unsagbar viel mehr als erfolgreich in Zahlen zu sein. Das Leben ist kein Arschloch, es hat nur manchmal Hormonschwankungen.“

Inzwischen habe ich eine Arbeitsstelle gefunden, die mir sehr viel Spaß macht, mich finanziell unabhängig sein lässt und mir außerdem die Möglichkeit gibt meinen „eigentlichen“ Beruf – nämlich den der Darstellerin- dennoch in kleinerem Rahmen auszuüben. Das hat mein Selbstwertgefühl enorm angehoben; aber ich werde nicht so schnell vergessen, wie es mir sehr, sehr lange Zeit nicht gut ging, weil „man mich nicht haben wollte“. Ich habe beschlossen mich erstmal nicht um jeden Preis der Welt bei jedem Theater und jeder Bühne und jedem Casting zu melden, weil das große „P“ auf meiner Stirn drohte sich für alle Zeit dort einzubrennen- ich bin jetzt ein glücklicher Mensch, weil ich mir keine Gedanken mehr um mich als Mitglied machen muss.

Deshalb gehört dieser Beitrag auch in die „Das Leben ist schön!“- Kategorie- ich genieße ein Hoch nach einem langen, langen Tief. Wenn das Leben wieder rumzickt, kann ich mich auch an diese Hoch-Zeit erinnern.

 

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Tag Hundertneunzig- es fällt schwer….

Eigentlich bin ich bestens gelaunt. Eigentlich. Wäre das nicht das inzwischen scheinbar UNLÖSBÄRE Problem der Arbeitsbeschaffung. Ich bin weder doof noch faul noch eingeschränkt (sieht man von Modeljobs ab; ja, auch große Größen, ich habe eine Haut, die juckt und kratzt und ich weiß nicht, warum. Aber ich schebble und schebble- gibts dieses Wort im Deutschen überhaupt? Wer versteht mich?)

Ich hab in meinem Leben schon diverse Jobs erledigt, und keinen davon wirklich beschissen. Nehme ich an. Aber leider will das zur Zeit niemand wahrnehmen, dass HIER! Ja, genau HIER!!! eine Person ist, die endlich GELD VERDIENEN MÖCHTE!!!! Ich bin sogar weitestgehend- wie sagt man- neigungslos, was die Arbeitsstätte angeht, ich kann so gut wie überall Spaß haben. Klappt nicht. Klappt einfach nicht. Hat das was mit der Selbstvermarktung zu tun? Bin ich etwa doch zu anspruchsvoll?

Okay, was hat das jetzt mit dem schönen Leben zu tun? Ich kann auf meinen Balkon gehen und Erbeeren frustfressen. JA, ich rede es mir schön! JA, das ist wirklich derbe uninteressant, aber ich dachte, ich schreib mal wieder.

Mir fallen übrigens jeden Tag mindestens zehn verschiedene Dinge ein, über die ich gern mal schreiben würde, aber ich lass es dann doch. Wieso? Wieso trägt die Schäfer ihr Herz auf der Zunge, was so unwesentliche Dinge wie die obigen angeht und bringt es nicht übers Herz sich über Sachen auszulassen, die ihr WIRKLICHWIRKLICH auf dem Herzen liegen? Wie zum Beispiel, dass ich bald einen Ausraster vor dem Herrn kriege, weil ich weder das Hartz IV-Menschen-Bashing noch die andauernde und zum großen Teil oberflächliche GEMA-Schelte nicht mehr ertrage? UND weil ich mir so langsam denke, dass es doch endlich mal mit Griechenland zu einem Konsens kommen könnte, damit „wir“ „unser“ Geld wieder für „uns“ verbraten dürfen? Das hat mit dem Thema nun wirklich garnix mehr zu tun.

Aber will das jemand lesen? Darf ich mich dazu öffentlich auch noch äußern? Mein Herz ist schwer, meine Melancholie trägt mir eine neue Melodie ins Ohr, ich kann nicht mehr aufhören zu tippen und poste das jetzt einfach. Ich kanns ja wieder löschen. MUAHAHAHAHAHA.

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Tag Hundertsiebenundsechzig – Apfelkuchen

Die Kommentare auf meinen letzten Blog haben mich schon wieder unter Druck gesetzt, so dass ich einfach mal garnicht geschrieben habe- also ich habe mich unter Druck gesetzt, sonst niemand, bitte weiter kommentieren! Wer kennt das noch, dass man denkt, man muss unbedingt etwas machen und weil der Berg zu hoch erscheint, lässt man es einfach ganz bleiben? Doch halt. Auch wenn man noch nicht sehr viel mehr über mich auf der Blogseite erfährt, so kann ich dennoch an den schönen Lebensdingen teilhaben lassen. Zum Beispiel an meinem Apfelkuchen, den ich heute gebacken habe, und zwar nach einem schwäbischen Rezept; einer für meinen Nachbarn, der heute Geburtstag hat und einen für uns. Ich hab in den letzten vier Monaten acht Kilo zugenommen und passe nur noch unter Schmerzen in meine Hosen, quäle mich zum Sport (oder was auch immer ich da tue) und kann das Fressen trotzdem nicht sein lassen (wenigstens hab ich zur Zeit die unschlagbare Hormonausrede, Daumen hoch dafür), aber ich habe gänzlich ohne schlechtes Gewissen und mit origiastischem Genuss ein großes Stück Apfelkuchen verdrückt. Danach hab ich meinen übersinnlichen Körper keinen Sport machen lassen, sondern mich auf den Balkon gesetzt und die letzten hundert Seiten eines Buches gelesen. Nach dem Gewitter, wo die Luft so schön frisch ist (bzw war, jetzt drückt es wieder). SCHÖN!!!! Wenn ich das nächste mal die Apfelbäumchen-Karte ziehe, nehme ich das wörtlich. Dieser Apfelkuchen ist direkt vom himmlischen Buffet. Wahrscheinlich nur den Erzengeln nach getaner Arbeit vorbehalten. Und ich hab was davon abgekriegt und kann mir nachmachen, wann immer ich möchte. Und er ist so dermaßen großartig-bombastisch, dass ich mir nicht mal im Unverstand ein weiteres Stück reinziehe, sondern mich auf morgen freue, wenn ich dann wieder einen Gaumenhöhepunkt kriege. Dieser Apfelkuchen ist besser als Sex. Nein, dieser Apfelkuchen ist Sex.

Comments, anyone?

 

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Tag Hundertfünfundfünzig – worst networker ever!

Okay, das Thema ist schon ein paar Tage her, aber ich habe vergessen, wie ich hier wieder reinkomme.

Ich war als Mitglied der dunklen Seite der Macht zur Mitgliederfeier eingeladen. Da ich niemanden mitbringen durfte, musste ich da allein durch- ich hab mich dennoch getraut. Auf dem Weg dorthin musste ich erstmal durch die Menge der Gegendemonstranten und bin auch ganze zwei Mal beschimpft worden (Memo an mich: Cool, Frau Schäfer, dass du dir jeglichen Kommentar verkniffen hast!) und dann saß ich da geschlagene zwei Stunden und hab mit keinem geredet. Erstens bin ich einfach zu schüchtern (jawohl, bin ich! Ich kann das ungläubige Gekicher bis hierher hören) und zweitens kannten sich da alle igendwie und hatten kein Interesse an mir.

Ich habs verstanden. F***ing bad networker. Won´t change. Aber was solls?! Ich hab andere Qualitäten! Ich kann nen Blog schreiben, bei dem ich immer wieder vergesse, dass das Netz ALLES ÜBERALLHIN transportiert und sich vielleicht irgendein Mensch eventuell sogar auf nem anderen Planeten kopfkratzend fragt, was um alles in der Welt die Tante sagen will. Ist doch auch ne Form von Netzwerken, oder?!

Wie gehts euch denn so mit der Netzwerkerei? (Ich finde das bei anderen Blogs so COOL, dass die immer mit ner Frage enden, das wollte ich jetzt auch ständig übernehmen. Gute Ideen gehören geklaut.)

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Tag Hundertsiebenunddreißig – gewonnen!!!

Ich mach ja eigentlich nicht bei Radiogeschichten mit, wo man ne eMail schreiben muss, um die CD der Woche zu gewinnen, aber als vor ein paar Wochen die „Alex Clare“-CD verschenkt wurde, hab ich meinen Stolz überwunden und eine Bettelmail geschrieben. Gestern kam die Nachricht, dass ich ne CD beim Sender abholen darf!!!! YIPPIEEEEHHHHHH!!!! Ich freu mir ein zweites Loch in den Arsch! Ich wollte die CD sooooo gern haben und jetzt kann ich sie mir abholen!!!! Das Leben ist schön!

Übrigens: Heute stand ein angstmachender Spruch auf meiner Alltagskarte: „Mög ich alles loslassen, sei es noch so hart.“ Ich dachte zuerst, das bedeutet sicherlich, dass ich jetzt ne Umschulung machen soll, aber nachdem ich aus Spaß an der Freude und aus Versehen, weil ich weitergeklickt habe ohne zu denken, in meinem Horoskop gelesen habe, dass ich heute quasi ein Quell der Ruhe und der Freude sei, war mir relativ schnell klar, dass der Spruch sich darauf bezieht nicht krampfhaft zu arbeiten. Ähem.

Oder wie würdet ihr den Spruch interpretieren? Für die Apfelbäumchengeschichte bin ich ebenfalls neuen Deutungen gegenüber sehr aufgeschlossen….

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