Nen Scheiß muss ich

Das steht auf einer Postkarte. Diese Postkarte hat eine Freundin von mir entdeckt und musste dabei sofort an mich denken. Warum? Konnte sie mir nicht beantworten, ist eben so.
Was meine Freundin nicht wusste- jetzt weiß sie es, sie ist eine meiner drei Leserinnen (Hach. Oder vier.)- ist, dass ich mir vor ein paar Monaten vorgenommen habe bestimmte Wörter nicht mehr unachtsam zu benutzen.
Die Liste ist kurz und sonderbar:
– (ich) muss
– (ich) sollte
– irgendwie
– sensationell
– grandios
Ich schreibe ja jeden Morgen drei Seiten. Auf diesen Seiten tauchen diese Begriffe überproportional oft auf und ich störe mich daran. Vor allem an den Sätzen, die mit „ich muss“ beginnen. Deswegen sind die letzten drei genannten Begriffe in diesem Beitrag auch zu vernachlässigen, ich werde nicht darauf eingehen.

Ich setze mich sehr gern mit Kleinigkeiten unter Druck, indem ich mir Aufgaben zuteile und sie durch „müssen“‚zu Befehlen umwandle. „Ich muss mich mal wieder um (meistens irgendwas im Haushalt) kümmern“; „Ich muss heute noch denoderdie anrufen“; „Ich muss mich mehr pflegen“; „Ich muss endlich mal in die Gänge kommen“. Nichts davon erledige ich.
Jenseits der allseits beliebten und oft genannten Prokrastination habe ich nämlich eine ganz und gar schwierige und nicht wirklich liebenswerte Eigenart: Ich bin ein Trotzkopf vor dem Herrn. Wenn mir gesagt wird, was ich tun MUSS, dann hab ich sofort, ohne Umschweife, ganz direkt einfach keinen Bock darauf. Ja, das ist kindisch. Ja, das ist keine leicht zu händelnde Eigenart. Aber sie sei mir gegönnt. Ich weiß darum und ich versuche ihrer Herr zu werden. Allein- es gelingt mir nur sehr selten. Es geht sogar so weit, dass ich mich an Dingen versuche, die ich eigentlich bislang in meinem Leben nicht in Erwägung gezogen habe, weil mir jemand sagt, er glaubt nicht, dass ich das kann oder schaffe. Hat mir öfter Freude als Schaden bereitet, kann ich hier mal mit nem fetten Ätschibätsch an die Menschheit verkünden. Läuft aber leider auch manchmal andersrum, wenn ich zum Beispiel Dinge vor mir herschiebe, weil ich sie nicht tun will und mich selbst mit „Mach das jetzt!!!“ dazu zwingen möchte. Momentan sind das eine Email, meine verhornten Finger, meine kaputten Füsse, mein unaufgeräumter Schreibtisch und mein Kleiderschrank, den ich vom Katzenschlafplatz zurückzubauen gedenke. Nur um die Kleinigkeiten zu nennen.
Also- ich trotze gegenüber mir selbst. Wie bescheuert ist das denn bitte? Das nervt. Das ist unerwachsen und nicht mal im Ansatz prinzessinnenhaft. Was also dagegen tun?
Die Postkarte hilft. Im Ernst. Wenn ich mir selbst wieder in diesem ekelhaft gilfigen Befehlston eine Anweisung zubelle, sage ich mir selbst
Nen Scheiß muss ich.
Und dann bin ich wieder so ein bisschen lockerer. Ja, ich weiß, jeder Mensch muss immer irgendwas machen, aber wenn man allein dieses blöde, bescheuerte, stinkigdoofe Wort müssen einfach mal nicht benutzt, dann fühlt man sich auch gleich nicht mehr so gegängelt.
Ich muss nicht zur Arbeit, ich gehe zur Arbeit. Ich muss die Email nicht schreiben, ich schreibe die Email. Taten statt Befehlsausführungen. Selbstverarsche, die bei mir fruchtet. Und jetzt höre ich auf zu schreiben, weil ich die Email noch verfassen will. Nicht muss, denn wir sagen es alle im Chor:
Nen Scheiß muss ich.

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Man spricht papa

Mein Vater ist mein Held. Ich bin seine über alles geliebte Tochter, für die er (fast) alles macht. Perfekt, oder?!
Er ist ein Tüftler und Erfinder und bastelt jedes Problem weg; bei uns gibt es nichts, was nicht wohl durchdacht und bestechend in seiner Logik funktioniert. Früher wäre er Erfinder von Beruf geworden.
Wir sind uns in vielen Dingen überaus ähnlich, so zum Beispiel im Vernuscheln und praxisnahen Zusammenziehen mehrerer Wörter; da ich mal Sprechunterricht hatte, ist das bei mir nicht mehr so ausgeprägt, aber ich bin diejenige in der Familie, die meinen Vater am besten versteht, wenn er redet. Weil ich auch so reden würde, hätte meine Berufswahl es mir erlaubt. Da mein Vater aber auch in seiner Sprachwahl äußerst praktisch veranlagt ist, verlassen seinen Mund ab und an Neuerungen der deutschen Sprache, die seinen Erfindungsreichtum und ebendiese praktische Veranlagung unterstreichen.
Ich sorge mit Freuden dafür, dass seine Wortschöpfungen in die Welt hinausgetragen und gern zu geflügelten Wörtern in meinem Bekanntenkreis werden. Beispiele:
Schnadapter – erklärt sich von selbst, man entferne gedanklich die ersten vier Buchstaben
Schmierwurschd – „ist mir egal“
Muppets – Muffins
Blockblöd – Blockflöte

Mein Vater denkt einfach gleichzeitig so weit voraus, dass die Sprache sich ab und an verselbstständigt. So weit die Erklärung. Abgesehen davon spricht er so fliessend Französisch, dass die Franzosen selbst ihn für einen der ihren halten (und er erzählt gern grinsend, dass er in der Schule eine Fünf in dem Fach hatte; hat er eben Mathe studiert).

Neulich jedoch hat er sich in seiner Praxisnähe selbst übertroffen:
Ich wollte wissen, wann meine Mutter und ich in Rom auf dem Flughafen landen- meine Mutter und ich machen Urlaub in Rom, nachdem wir zehn Jahre davon geredet haben, ich freu mir ein zweites Loch in den Arsch- und da er die Bestätigungsmail hat, begab es sich, dass folgender Dialog entstand (der Einfachheit halber sind bestimmte Worte in Lautschrift geschrieben):
Papa: „Also, ihr fliegt mir AirBerlin.“
Tochter: „Ich dachte, wir fliegen mit Germanwings?!“
Papa: „Was hab ich gesagt?“
Tochter: „AirBerlin.“
Papa: „Nein, Germanwings. Und ihr kommt 14.15 auf dem Fiumitschinano an.“
Tochter: „Fiumitschino, Papa.“
Papa: „Fiumitschinoni.“
Tochter: „Fiumitschino, Papa.“
Papa: „Fiumitschinona.“
Tochter: „Fiumitschino.“
Papa: „Fiumitschinini.“
Mutter von irgendwo aus dem Wohnzimmer brüllend: „FIUMITSCHINO!!!!!“
Papa: „In Rom. Ihr wisst ja, wo ihr seid.“
Mein Papa ist einfach total praktisch veranlagt.

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Verdammte Mistviecher

Heute mal keine tiefen Gedanken übers Leben. Die Höllenbrut nervt.
Ich hatte Nachtdienst, lag um halb Fünf heute morgen im Bett und musste mir den Wecker trotzdem auf 10.30 stellen, weil „zwischen 11.00 und 13.00“ ein Spediteur kommen sollte, der Pakete abholt, die nicht von mir und nur fast für mich gewesen wären. Deswegen hatte ich übrigens auch eine farblich aufeinander abgestimmte Schlafkombi mit anständig langen Hosen an. Rosa. In zwei Schattierungen. Aber das ist nicht das Thema.
Ich liege friedlich schlafend im Bett und träume, als ich bemerke, dass mein Bett von einem der haarigen Monster geentert wird. Nach nunmehr elf Jahren Monsterbesitzes kann ich im Dreiviertelschlaf meinen Arm ausstrecken und Katzen kraulen ohne aufzuwachen. Ich bedenke dabei nur nie, dass ich das mit versteckten Fingern machen sollte. Mir wird nämlich stantepede in den Zeigefinger gebissen. Zärtlich, dennoch fest. Daran erkenne ich, dass es der Dicke sein muss. Eini beisst nicht zärtlich, sondern herzhaft. Dennoch- es schmerzt. Ich wache also auf, schreie den Kater fröhlich mit „Aua!!!“ an, was für ihn übersetzt “ Ich bin jetzt wach, du darfst über die Blase trampeln und dich auch gleich drauflegen“ bedeutet. Dieser Aufforderung kommt er natürlich nach, gut erzogenes Miststück, dass er ist. Ein gequälter Blick auf den Wecker. 10.23. Mir wurden sieben Minuten gestohlen, dafür bekomme ich eine kostenlose Blasen-Schnurr-Massage. Wasserlassen wird zum sofortigen erklärten Ziel; also den Dicken zärtlich aus dem Bett geschleudert und auf zur Toilette. Ich möchte betonen: Ich fahre total drauf ab allein und ungestört im Bad zu verweilen, egal, welcher Beschäftigung ich dort nachgehe. Kannst du knicken. Der Blinde hört nämlich verdammt gut und schlüpft in eben jenem Moment mit ins Bad, als ich dabei bin die Tür zu schließen. Und er klaut liebend gern meine Unterhosen, wenn die zwischen meinen Knöcheln baumeln. Zu viel Information? Wenn andere über Kinderkotze schreiben, schreibe ich über meine Schlüpfer.
Im Bad trifft Blindi Eins auf Blindi Zwei, beide erschrecken sich, Blindi Zwei faucht, Blindi Eins will wieder raus, ich öffne die Tür, aber da steht dann auch schon der Hubschrauberlautschnurrende Dicke. Heute gehe ich mit geöffneter Tür aufs Klo.
Einen Stock tiefer treffe ich auf nur noch lauwarmen Kaffee. Ich mag keinen lauwarmen Kaffee. Also mache ich frischen Kaffee. Währenddessen kommt Blindi Zwei die Treppe runter, weil sie immer da sein möchte, wo ich bin. Oder auf dem Balkon. Sie rennt nur leider in den Dicken. Ein Gemetzel startet. Ich rette, was zu retten ist, heute mal kein Blut. Blindi Zwei hockt auf dem Tisch und faucht die Luft an, der Dicke streicht mir schnurrend um die Beine und verlangt Absolution. Da aber Blindi Eins aka Eini gerade nen Floh hat, rennt der blindlings (perfekte Umschreibung) in der Küche herum und kracht in seinen großen Bruder, der ihn kurzerhand legt. Eini fängt an jämmerlich zu schreien, während ich das heiße Wasser in die Kaffeekanne schütte. Ich eile zur Rettung, bin aber zu spät, weil inzwischen Tiri dem in Not Geratenen zur Seite stehen möchte und den Dicken anspringt. Ein kurzer Tumult. Der Dicke gewinnt. Wie immer. Alle drei sitzen strategisch günstig in der Küche verteilt und putzen sich. Ich setze mich erschöpft an den Küchentisch und möchte mit meinem Morgenritual beginnen. Keine Chance. Monsieur Le Grand will nämlich schmusen. Knapp sieben Kilo schwarzweißes Fell im Arm zu halten bedarf beider Arme. Er stinkt. Er wurde geputzt. Nach fünf Minuten hat er genug und will wieder runter. Spitze. Ich schenke mir heißen Kaffee ein. Der Kaffee schmeckt nicht, weil ich beim Kriegspielen zu wenig Pulver in die Kanne geschüttet habe. Ich hasse mein Leben. Inzwischen ist es halb Zwölf, die Zwiebel kommt und besucht mich kurz auf der Bank. Wenn ich nicht streichle, ist sie traurig. Ich streichle. Eini möchte auch, aber nicht auf den Arm, nein, das signalisiert er mir deutlich mit in meine Brustwarze gebohrten Krallen. Er kann weit fliegen…. Nein, Spaß, er kann nur weit fallen.
Ich würge den Kaffee runter, jetzt ist es sowieso zu spät. Blindi Zwei möchte auch gestreichelt werden und verliert vor lauter Ekstase vier Fünftel ihrer Haare über dem Tablet. Macht aber nichts, ich will die Penisverlängerungswerbung, die sie mit ihren Pfoten geöffnet hat, eh nicht lesen.
Der Spediteur kommt um Zwölf. Alles super, ich kann mich wieder hinlegen.
Aber zuerst muss ich die Brut auf den Balkon lassen. Also bleibe ich am Tisch sitzen, nicht, dass da draußen ne Party mit Fleischfetzen steigt. Mir ist aber kalt, deswegen mache ich die Tür zu. Die Zwiebel mag das nicht und sitzt mit weitaufgerissenen Augen draußen und maunzt ohne Ton, weil ich aber nicht sofort komme, dann doch mit Ton. Extrem kläglich. Wenn das einer hört, wird mir der Tierschutz auf den Hals gehetzt. Ich lasse sie rein und schließe die Tür wieder. Jetzt sitzt sie drinnen, starrt nach draußen. Und maunzt. Ich gebe auf.
Währenddessen findet Eini heraus, dass die Tischplatte, die auf dem Balkon steht, eine super Leiter abgibt. Leider wackelt die Leiter und fällt um. Nicht auf den Kater, der hockt oben und putzt sich. Nen Herzinfarkt hab ich trotzdem.
Der Dicke schmeißt sich verführerisch vor meine Füsse, als ich die Tischplatte wieder hinstelle. Ich streichle. Das wollen die anderen auch, aber ich hab nur zwei Arme. Also gut. Ich fahre in den Katzen-Bespaß-Modus und mache Späßchen, streichle, spiele Fangen und Grünguttonneauspacken. Nur bin ich plötzlich ganz allein auf dem Balkon. Die vier haarigen Ungetüme sind weg. Liegen irgendwo in der Wohnung und pennen. Ich bin hellwach.
Ich mag keine Katzen.

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Mein Körper und ich

Da ich über Themen schreibe, die mich innerlich sehr bis mittelschwer beschäftigen, muss endlich auch mal dieses Thema sein. Öffentlich. Schonungslos. Mit gehemmten Fingerspitzen betätige ich meine virtuelle Tastatur, um nicht sofort auf den Punkt kommen zu müssen. Leichte Einleitungssätze kommen mir ob des schweren Themas nicht über die Kuppen. Welch grandioses Wortspiel.
Genug der Umschiffung. Ich bin eine dicke Frau. Ich bin nicht fett, ich bin nicht mollig, ich bin nicht vollschlank (wer auch immer dieses beschissene Wort erfunden hat, gehört zwangsgestopft- wasn das für n Scheiß? Und was ist dann leerschlank?), ich bin nicht voluminös. Ich bin dick. Nach meiner Definition.
Wenn ich meinen BMI berechnen würde, stände da wahrscheinlich „adipös“. Das bringe ich immer sofort mit Adidas in Verbindung, vollkommen falscher Weg. Ich habe rund 25 Kilo mehr Gewicht als ich haben sollte. 100 Butterstückchen. Vielleicht auch nur 20 Kilo, man weiß es nicht.
Ich habe also mit dem Thema Dicksein Erfahrung. Auch mit ein paar Diäten kenne ich mich aus, den Jojo-Effekt gibt es anscheinend wirklich, ich hatte mal eine Schilddrüsenunterfunktion, die hat sich aber zum Glück verwachsen und ich trage am allerliebsten Säcke.
Ich war schon als Kind nicht dünn. Als Baby war ich normalmopsig, extrem fit und fidel (Euphemismen für wirklich anstrengend. Wirklich.); ich kann den genauen Zeitpunkt, wann mein Körper begonnen hat zu viel Masse mit sich herumzuschleppen, nicht wirklich bestimmen. Aber ich habe Essen schon immer geliebt. GELIEBT. Vor allem Süßes, da bin ich ganz der Papa.
Natürlich blieb es nicht aus, dass mein Übergewicht Thema in meiner Familie wurde. Ich kann mich an sehr, sehr viele Aussagen erinnern, die sehr, sehr geschmerzt haben. Ich hab die beste Familie, die ich habe kriegen können, aber nur so als Memo für Außenstehende: Sagt eurem pubertierenden Kind nicht, dass es schon nicht mehr schön sei, wie fett es ist. Das hallt lange und schmerzvoll nach. Und wenn ihr das schon getan habt, hört auf mit den Dickenkommentaren und sagt dem Kind einfach mal ab und zu, wie schön es sei. Das heilt diese Wunde. Egal, wann ihr damit anfangt. Weiß ich aus Erfahrung, meine Wunde ist komplett geheilt und wird trotzdem weiterhin sehr liebevoll nachbehandelt.
Neulich habe ich mit einer sehr coolen und tollen Frau über meine Figur geredet. Ich habe ihr geschildert, dass mein Gewicht ein Problem für mich sei. Sie fragte mich, warum. Ich konnte diese Frage nicht beantworten. Mit etwas mehr Gestammel als sonst üblich versuchte ich zu formulieren, dass es mir seit geraumer Zeit ans Herz gelegt würde abzunehmen,wegen des Jobs, weil ich doch „eigentlich“ so schön sei, wegen der Gesundheit. Sie fragte mich, ob mein Gewicht meine Gesundheit beeinträchtige. Das konnte und kann ich verneinen; meine Blutwerte sind tipptopp, mein Körper wird von mir muskeltechnisch so in Schuss gehalten, dass er das Fett problemlos tragen kann, ich wohne im fünften Stock ohne Aufzug und komme lebend und im Vollbesitz meiner körperlichen Kräfte oben an. Sie fragte wieder, warum mein Gewicht ein Problem für mich sei. Und da ist es mir, nach so vielen Jahren, zum ersten Mal so wirklich aufgefallen: Ich hab keine Ahnung. Ich weiß es nicht.
Seitdem beschäftige ich mich gedanklich bis zur hirnischen Erschöpfung damit. Will ich dick sein? Macht mir, mir ganz persönlich dieser Körper etwas aus? Hab ich mich eigentlich schon mal mit meinen eigenen Augen betrachtet und nicht mit denen von anderen?
Ich lebe mit unzähligen anderen in einer Welt, die den Körper zur Waffe macht. Kein Thema ist so unerschöpflich wie das Aussehen von Menschen. Vor allem das Gewicht. Man wird davon geradezu erschlagen, ob man will oder nicht. Und es ist so doppelzüngig! Auf der einen Seite wird mit großen Lettern auf der Titelseite von der wahrscheinlichen Magersucht von Promi A berichtet und auf Seite 3 sieht man zwei Fotos von Promi B, einmal ein paar Kilo schwerer, und NATÜRLICH sieht Promi B in Kleidergröße „nicht vorhanden“ um so vieles besser als als in Kleidergröße 38. Pfui.
Wir sind darauf trainiert worden uns die Vorstellungen anderer überzustülpen. Das führt in meinem Leben oftmals zu sehr abstrusen Momenten- wie oft ist es mir schon passiert, dass eine Freundin in meiner Anwesenheit oder sogar direkt zu mir gesagt hat, sie sei fett geworden. Mir. Eindeutig schwerer. Ich summe daraufhin in meinem Kopf gern „I am the walrus“.
Oder ich werde gefragt, ob das Gegenüber zugenommen hätte. Ich seh sowas nicht. Ich sehe immense Gewichtsschwankungen, klar, aber ich kann nicht erkennen, ob jemand drei Kilo verloren oder gewonnen hat. Das ist mir bei anderen Menschen nämlich egal. Es kann sogar passieren, dass mir jemand seinen Hintern ins Gesicht streckt und fragt: „Hab ich arg zugenommen?“ und ich dann furztrocken antworte „Nein, dein Arsch ist nicht fetter als sonst.“
Ja, jeder Mensch hat seine eigenen kleinen oder großen Problemzonen, die er in keiner Relation zu den Problemzonen anderer sieht. Vielleicht sehe ich für andere ja auch wie die wandelnde Problemzonenlosigkeit aus, man weiß es nicht. Ich stelle nur fest, dass sehr viele meiner Freundinnen sich Gedanken um ihren Körper machen und ihnen das von außen aufgezwungen wird. Von der Familie, vom Job, von den Medien; ich weiß eigentlich bei so gut wie keiner, wie sie sich eigentlich am wohlsten fühlt. Wir rennen anscheinend (fast) alle einem Außenbild hinterher, das wir dann doch nie zur vollen Zufriedenheit erfüllen können. Wie traurig ist das denn?

Ich rede sehr selten mit anderen über mein Gewicht; das ist ein Thema, das ich nicht sooo groß finde, dass ich damit Abende bestreiten muss. Ich höre anderen sehr oft zu, wenn sie über ihr Gewicht reden, sehr oft,wenns ums Essen geht, wobei es sich dann selten um den Genussfaktor dabei handelt, sondern mehr um die Selbstschelte, weil man zu viel und zu falsch gegessen hat. Dabei ist Essen doch so wundervoll! Ich habe vor einem knappen Jahr beschlossen bestimmte Dinge nicht mehr zu essen, weil sie mir nicht schmecken. Wenn ich hungrig bin, möchte ich etwas zu mir nehmen,was mir auch mundet. Vor allem nach oben genannten Gespräch, als ich begonnen habe in mich zu gehen, ist mir aufgefallen, dass ich die Frustfresserei schon länger aufgegeben habe. Wenn mir nach viel Schokolade ist, schieb ich mir das letzte Stück mit dem Ist-jetzt-eh-egal-Gedanken nicht auch noch in den Mund, sondern hebe es für den nächsten Tag auf- mein persönlicher Hurramoment: Ich habe seit zwei Tagen eine Tüte Schokobons, die noch immer nicht leer ist, Rekord-, wenn mir etwas schmeckt, dann esse ich das mit Genuss und gern auch mehr als „normal“ wäre, aber nie mit schlechtem Gewissen. Das würde mir das Essen verderben. Und ich finde es sehr schade, wenn mir jemand erzählt, er hätte „nur Scheiß“ gegessen. Das schmeckt doch nicht. Ich dickes Ding scheine ein gesünderes Verhältnis zum Essen zu haben als viele Dünndinger. Das erstaunt mich. Es macht mich nicht dünner, aber es macht mich ruhiger.
Ich lese nach wie vor sehr viel über das Thema Körpergewicht und es erstaunt mich, mit welchem Hass und welcher Vehemenz Dicke in Foren von angeblich Dünnen beschimpft werden; so als ob dicke Menschen die zweite Klasse des Lebens gebucht hätten. Und immer wird der Gesundheitsjoker gezogen: Dicke kriegen schlimme Krankheiten und fallen damit der Gesellschaft zur Last. Ja, genau. Dünne Menschen sind nie krank. Verletzen sich nie. Ich möchte nur mal einwerfen, dass der Geifer, den da so manch einer heraussabbert, bestimmt nicht gesund ist.
Und was ich noch unbedingt, UNBEDINGT hier loswerden möchte: Ich finde den Slogan „I make you sexy“ unverschämt. Weil er sexy und dünn gleichsetzt. Und das macht dann noch mehr Stress. „I make you thinner“ klingt wahrscheinlich zu profan. Wäre aber fairer.
Um es ganz klar zu sagen: ich weiß nicht, ob ich dünn/dünner/nichtmehrvorhanden/weiterhin genau so sein will, so weit bin ich noch nicht gekommen. Ich überlege noch und versuche dabei sämtliche Suggestionen und Eingebungen von außen mal nicht zu mir vordringen zu lassen. Wie in einem früheren Beitrag bereits erwähnt bin ich schließlich als einzige 24 Stunden am Tag in mir, also sollte ich das mit dem Gewicht und dem Körpergefühl auch ganz allein rausfinden. Beim Rausfinden habe ich dann auch mal meinen Körper wahrgenommen und bemerkt, was ich toll finde. Meine Brüste zum Beispiel. Knallerdinger. Mördermöpse. Perfekte Größe, sitzen an der richtigen Stelle, machen ein tolles Dekolleté. Oder meine Nase. Schickes Teilchen. Meinen Mund finde ich wunderschön. Meine Beine sind Reiterhosenfrei und haben ne tolle Länge. Mir fallen auch Dinge auf, die ich nicht sooo mag. Meine Oberarme sind komisch. Ich habe zwei Bäuche. Meine Knie sind so sonderbar geformte Dinger. Dafür finde ich meine Füsse schön. Meine Hände sind Patschhändchen. Die haben Kreditkartengröße. Und seit ich mich mal so betrachte und mir etwas wohlwollender gegenüberstehe, ist das mit dem viel zu viel Essen plötzlich auch nicht mehr so das Thema. Immer noch viel, aber nicht mehr magendrückermäßig reingestopft. Mal nicht ständig überlegt, was ich noch Essbares zwischen die Zähne rammen könnte. Und wenn mir was nicht schmeckt, dann esse ich es nicht. Auch nicht, obwohl es gesund ist oder irgendwas Wunderbares mit dem Stoffwechsel anstellen könnte.
Ich ahne, ich muss tief und noch tiefer in mich gehen um an den Punkt zu kommen, wo „es“ sitzt. Vielleicht steckt da auch nur ein klitzekleines Ich, das schmollend mit verschränkten Armen sagt „Ich nehm nicht ab, weil mir alle das sagen! Ich mach nicht das, was ihr von mir wollt!“ Ich hab in meinem Leben viel drüber nachgedacht, warum ich ich so aussehe. Der berühmte Schutzpanzer- wovor will ich mein Seelchen denn schützen? Vor bösen Kommentaren augenscheinlich nicht- wollte geknackt werden, die Frustfresserei hab ich ja schon erwähnt- aber anscheinend hat das alles nicht den wirklichen Grund erfasst. Und der könnte tatsächlich sein, dass ich genau das Mordsweib sein will, das ich bin.

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Einfach mal „Danke“ sagen und so

Es gibt da eine nette kleine Geschichte aus meiner Kindheit: Als ich mit meiner Mutter, der besten Mutter, die ich habe erwischen können, mal wieder beim Dorfmetzger zum Einkaufen war, streckte mir der Metzger zum Abschluss des Wurstthekenbesuchs das obligatorische Rädchen Gelbwurst hin (ja, bei uns gibts ne Wurst, die so heißt). Ich starrte auf die Wurst und meine Mutter, die beste Mutter, die ich habe erwischen können, fragte freundlich-mahnend: “ Wie sagt man?“ -„Ich mag keine Gelbwurst.“ Meine Mutter, die beste Mutter, die ich habe erwischen können, war nicht etwa peinlich berührt, sondern stimmte in das schallende Gelächter des im übrigen legendär coolen Metzgers ein, der mich fragte: „Was magst du denn dann?“ -„Bierschinken.“ Und nachdem er mir davon ein Rädchen, ach was, ein Rad kredenzte, sagte ich freudig und sehr artig „Danke!“ zu ihm. Und im Stillen jetzt auch meiner Mutter, der besten- ihr wisst schon.
Ich stelle in meinem Leben immer wieder fest, wie gesegnet ich mit meinen Eltern und Pflegeeltern bin. Ich hab eine sehr gute Erziehung genossen, die ich in den unmöglichsten Situationen anbringen kann- auch wenn meine Mutter, die beste undsoweiter, jetzt bestimmt zweifelnd den Kopf schüttelt. Zuhause war und bin ich nämlich zuweilen die Pest in Person. Geschützter Raum. Die müssen mich lieben. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, in dem Menschen vieler Generationen miteinander agiert haben, wodurch mir und den Kindern in meiner Umgebung ganz natürlich die Grundregeln des Miteinanders aufgezeigt und vorgelebt wurden. Respekt vor anderen, Hilfe für andere, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und wenn das zu schwer fällt, dann wenigstens Höflichkeit. Ist für mich totaaal normal. Deswegen bin ich zur Zeit umso erstaunter, wie wenig diese für mich und meine Kinderfreunde elementaren Zusammenlebensregeln für sehr viele Menschen meiner Generation und der knapp darunter nicht gelten, zumindest nicht in der Stadt, in der ich mich meist aufhalte. Mann, was sind die Leute Arschlöcher. Ich mache das in letzter Zeit vor allem an dem Wörtchen „Danke“ fest. Ein Beispiel. Ich betrete ein Kaufhaus mit Glastüren, die man selbst öffnen muss und die beim Loslassen gern so schnell zufallen, dass sie Gesichter neu modellieren könnten. Also checke ich, ob noch jemand nach mir kommt- und ja, eine Dame meines Alters läuft hinter mir. Also halte ich die Tür auf, damit sie durch kann. Tut sie, erhobenen Hauptes, ohne den Schritt zu beschleunigen, nein, sie stolziert an mir vorbei, würdigt mich keines Blickes, öffnet die zweite Tür, die nach dem gleichen Prinzip gestaltet ist, schwungvoll, geht durch und guckt nicht mal, ob ich auch rein möchte.
Punkt A: Wo war das „Danke“?
Punkt B: Aufhalten? Hallo?!?!?!
Diese Situation, leicht verändert, passiert jedes Mal. Jedes. Einzelne. Mal. Und ich halte auf und halte auf und hoffe und hoffe und nichts ändert sich.
Oder: Ich will in die Bahn einsteigen und sehe, dass da noch jemand angerannt kommt, also bleibe ich in der Tür stehen, bis der da ist, nur um dann angerempelt und aus der Bahn bugsiert zu werden.
Punkt A: siehe oben
Punkt B: AUA!!!!
Ich könnte jetzt noch, oh, wie ich könnte, aber ich will ja eigentlich auf nen Punkt kommen (Sandra liegt jetzt bestimmt vor Lachen auf dem Boden, weil sie weiß, dass ich die Kaiserin der Sanguiniker bin.) – warum sind denn so viele Menschen so achtlos unterwegs? Warum fehlt so vielen die Aufmerksamkeit? Wenn jemand mit seinem Smartphone in der Hand auf das Display starrend rote Ampeln überquert, finde ich das ja auch schon den Knaller, aber sehenden Auges andere Menschen nicht zu beachten und keinerlei soziale Interaktion zu beginnen finde ich gelinde gesagt traurig. Manchmal auch zum Kotzen, dann bin ich daheim dann nämlich kurz die Pest in Person und kotze sowas von über diese #%~%£¥*“ ab, dass es furchterregend ist.
Ich möchte dringend an euch alle, die das hier lesen, appellieren: Seid aufmerksam! Seid höflich! Sagt „Danke“, nicht, weil sich das gehört (das auch), sondern weil es dendiedas Gegenüber erfreut.
Es könnte ein Sysiphoskampf sein. Aber ich glaube an die Sahne auf dem Keks und das Gute im Menschen. Zeigt eure Erziehung. Macht Mama und Papa stolz. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Wenn ihr dann mal irgendwie irgendwann von jemandem ganz unverhofft eine nette Reaktion bekommt, dann zaubert das gute Laune. Glaubt mir. Ich habs erlebt.
Nur noch kurz: Ich hab darüber vor kurzem mit einer Bekannten geredet. Die antwortete mir, dass es aus dem Wald hinausschalle, wie es es hineinruft. In meinem Fall nicht. Ich bin keine Rotzgöre. Ich bin gut erzogen. Darauf lege ich großen Wert. Und das ist nicht mein Verdienst, sondern der meiner Familie. Deshalb lege ich da auch so großen Wert drauf- MamaPapaElgaRolf, ihr habt da echt was richtig gemacht. Vor allem ihr. Mein Bruder – nun ja. Der war ja auch nicht für meine Erziehung zuständig, sondern zum Ärgern und Ärgernlassen da. Klassiker der Menschheitsgeschichte könnte ich zum Besten geben. Klassiker.

Ich persönlich werde aufhalten bis zum bitteren Ende, und wenn ich dann die Türsteherin am Himmelspförtchen bin, lass ich jedem die Tür ins Gesicht knallen, der sich nicht bedankt. Sollte ich in der Hölle landen, kriegen die noch nen Dreizackpiekser in den Po dazu. Mit einem freundlichen „Gern geschehen!“

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Kostenlos oder umsonst oder was?

In meinem Dunstkreis befinden sich ja viele „Künstler“. Ich bin ja auch so einer. Auch noch eine „Schauspielerin“. Und „Sängerin“. Gleich zwei Mal daneben gegriffen bei der -ähem- Berufswahl. Mit vielen dieser „Künstlern“ bin ich über Facebook vernetzt und dort bin ich auf geradezu tragische Weise öfter unterwegs als ich eigentlich zugeben will.
Seit JAHREN taucht in diesem sozialen Netzwerk immer wieder dasselbe Problem in mannigfaltener Ausführung auf (mannigfaltenen Ausführungen? Also verdammt oft): Der darstellende Künstler an sich wird beschissen bis garnicht für das bezahlt, was er abliefert, und zwar in immer mehr Zusammenhängen. Wenn man von einigen wirklich gut bezahlten Anhängern der Zunft mal absieht. Auch ich verdiene meine Kuchenstücke und Schokobons nicht mit meinem teuer erworbenen Ausbildungsberuf, weils halt nicht langt. Viele tun was dagegen; es bilden sich Gruppen, Gewerkschaften, Zusammenschlüsse, damit wir endlich finanziell angemessen für die von uns geleistete Arbeit bezahlt werden. Man steht da noch relativ am Anfang, aber der erste bis vielleicht fünfte Schritt wurde gegangen. Ein Hoch darauf! Mir ist also das Problem des Viel-Machen-und-wenig-bekommens quasi professionell schon öfter begegnet. Muss ich mich jetzt eigentlich nicht weiter drüber auslassen, haben ja schon viele andere weitaus eloquenter als ich getan. Das dient jetzt auch nur als Vorrede zu folgender Frage, die ich mir immer öfter stelle:
Was glauben die Menschen eigentlich, woher Apps, Dienstleistungen und Gebrauchsgegenstände kommen???? Dass das alles irgendwo einfach wächst und man es sich nur pflücken muss um es sich anzueignen? Ich erlebe Menschen mit wirklich wohlgefüllten Geldbeuteln, die mit den neuesten Smartphones, Tablets und Computern herumhantieren und sich darüber aufregen, dass man für bestimmte Apps 1,79 € bezahlen muss. Die drei Mal im Jahr Urlaub machen und sich täglich für locker vier Euro eine Kaffeespezialität to go kaufen und sich gleichzeitig darüber aufregen, dass sie für einen Nachrichtendienst einmal im Jahr 89 Cent bezahlen sollen. Wer macht denn diese Apps? Und um noch weiter zu gehen: Warum bitte kauft man sich für teuer Geld das beste der besten Lebensmittel und weigert sich für den legalen Downloads eines Liedes nicht mal nen Euro zu bezahlen? Warum, frage ich mich und hiermit alle, die das lesen?
Auch ich bin orgiastisch verzückt, wenn ich ein Schnäppchen machen kann. Und wenn das gleiche Produkt in einem anderen Laden preiwerter zu haben ist, dann nehme ich das preiswertere Produkt. ABER ich bin mir dessen bewusst, dass ein Produkt hergestellt wurde und dass die Herstellung Kosten verursacht hat, an denen ich mich beteilige, wenn ich nutzniesse. JEDES PRODUKT. Auch eine App. Der oder die Programmierer müssen nämlich erstaunlicherweise auch essen, irgendwo schlafen, aufs Klo, sich anziehen und möchten, man glaubt es kaum, vielleicht auch mal ne Kaffeespezialität trinken, bei deren Preis sich mir als Schwäbin die Zehennägel bis zur Achillessehne aufrollen. Haben sie auch VERDIENT, nur VERDIENEN sie mit ihrer Leistung eventuell nichts.
Ich möchte jetzt nicht in die Diskussion einwerfen, dass die Produktionsstätten vieler Dinge unter aller Sau sind; das ist ein Fakt, der mein Herz eh schon schwer macht (ich versuche zum Beispiel keine Kleidung mehr zu kaufen, die in Ländern hergestellt wurde, wo die Arbeitsbedingungen katastrophal sind; es ist ein Anfang. Trotzdem hab ich nen Obstrechner.); aber man kann doch mal im Kleinen anfangen, bei sich:
Ich möchte für meine Leistung angemessen bezahlt werden, also bezahle ich andere für deren Leistung angemessen.
Auch wenn ich nicht die Leistung, sondern das Endergebnis erwerbe. Zum Beispiel eine Kaffeespezialität. Oder ein Lied, das ich mir wieder und wieder anhören kann. Oder eine App, bei der ich gefühlt drei Viertel meines Lebens damit verbringe mehr wissen zu wollen als andere. Wenn wir immer weniger bereit sind auszugeben, haben immer weniger Menschen Geld um es auszugeben und vielleicht haben auch immer weniger Menschen Lust was für wenig oder für umsonst zu machen. Das wäre doof. Kostenlos ist toll!!!!! Es darf nur nicht umsonst gewesen sein. Und Bezahlung ist eine sehr konkrete Form der Wertschätzung, und Wertschätzung braucht jeder Mensch. Und wenn man dann was kostenlos bekommt, DANN freut sich der Geber übrigens über ein „Danke“ . Aber DAS ist ein gänzlich neues Thema.

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Ich bin, wer ich bin! Jawohl!

Ich habe mich entschlossen mehr zu veröffentlichen. Das wird hart.
Themen gibt es ne ganze Menge; ich war ein paar Tage bei einer meiner besten Freundinnen in Hamburg und wir haben quasi nonstop durchgeredet. Wir zwei können das. Alles, was wir so angeschnitten und durchgesprochen habe, wäre einer Erwähnung wert, aber ich selektiere dennoch. Soll ja ein Blogbeitrag und kein Gesellschaftsroman werden. (Oder doch?!) Nun, eine Sache, auf die ich während eines meiner wertvollen Monologe, die zum Weltfrieden beitragen könnten, würden sie denn mitgeschnitten, gekommen bin, ist folgende:

Ich möchte mein Leben, so unperfekt es in vielerlei Hinsicht scheinen mag, mit niemandem tauschen. Folglich bin ich auf niemanden neidisch. Wenn ich eine Sache haben will, muss ich das ganze Leben mitnehmen. Will ich nicht. Ich möchte meine Erfahrungen, meine Freunde, meine Entscheidungen, mein Übergewicht (ja, vielleicht sogar das, ist aber ein komplett neues Thema; wie gesagt, ich möchte mehr veröffentlichen), meine Krankheiten, mein Können, mein Unvermögen, meine eventuelle Hypersensibilität (hab ich neu gelernt, mein Wahn könnte einen Namen haben), meine Lebensfreude, meinen Irrsinn, meine überschäumende Phantasie, mein Umfeld, meine Familie und die bucklige Verwandtschaft (obwohl….), meine Träume, meine Enttäuschungen, meine Fehler, meine Stärken, einfach alles behalten. Weil mich all das zu mir macht.
Ich habe in diesem Selbsterkenntnisgespräch fünf Minuten vorher noch darüber lamentiert, dass niemand sonst vierundzwanzig Stunden am Tag mit mir und in mir stecken muss und dass das eine echte Aufgabe ist. Nach meiner Nichttauschenwollenentdeckung habe ich dann aber tatsächlich damit angefangen mir selbst gegenüber nachsichtiger und sanfter zu werden. (Achtung, der folgende Text könnte schwurbelige pseudolyrische Ausdrücke enthalten.)
Wenn ich wieder mal mit mir selbst rede, höre ich mir zu und lache ab und an sogar. Ist zuweilen wirklich witzig. Wenn ich wieder mal im Chaos versinke, setze ich mich mit einem leckeren Getränk meiner Wahl mittenrein und überlege mir, was ich eigentlich gern tun würde, woraufhin entweder das Chaos oder ich aus dem Chaos verschwinde(t). Ich nehme mich ernster und beurteile mich nicht mehr dauernd selbst mit den angeblichen Augen von außen. Diese ominösen Außenstehenden stecken ja nicht in mir drin und wissen auch äußerst selten wirklich, was gut für mich ist. Ich weiß das auch nicht immer, aber das andauernde Zusammensein mit mir hat gezeigt, dass meine Fehlerquote beim Einschätzen meiner selbst die geringste ist. Und ja, ich glaube, dass mir Schokobons in großen Mengen manchmal gut tun.
Ich stecke noch mitten im Lernprozess; man wird den einen oder anderen Stolperer erwarten dürfen. Aber wie heißt es so schön: „Aufstehen, Krönchen richten, weiterstolzieren.“

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Dann mach doch mal! – Ja, und ihr mich auch!!!!

Nur kurz vorweg: Ich weiß, dass es unendlich vielen Menschen schlechter geht als mir und nicht wirklich vielen Menschen besser. Das ist mir im Moment aber ehrlich gesagt schietegal. Hier gehts um mich und nicht um mich in der Relation zu anderen, sondern nur um mich in meinem Um-mich-Universum. Das wird auch nicht diskutiert. Das ist jetzt, in diesem Beitrag, einfach mal so.

Ich bin mich selber gerade sowas von Leid. Ich bin jammerlappig, unentschlossen, unmotiviert, bräsig. Genervt, hungrig, faul, ein bissi traurig, antriebslos.

Kleinste Kleinigkeiten kosten mich Nerven, die ich gerade einfach nicht übrig habe. Ein kurzer Satz, der von einer Person dahingesagt wird, lässt mich die Grundfesten meiner Lebenseinstellung in Frage stellen.

Möchte ich das? NEIN. Formuliere ich das einer persönlich anwesenden Person oder einem Telefonpartner gegenüber, bekomme ich die Antwort „und was willst du dagegen machen?“. Dann äußere ich mich dazu, gequält, langatmig, fahrig, weil ich GENAU WEISS, was als Replik kommt. „Dann mach doch mal!“ Neinneinneini-nein!!!!!

Ich will nicht machen, ich will, dass mal jemand für mich macht, oder mich mal jemand in den Arm nimmt und mir über den Kopf streichelt, während ich „armes Hasi“ zu hören bekomme, und das ganz ohne Ironie. Ich will keinen Druck, vor allem nicht von außen, weil ich mir selbst schon so viel Druck mache, dass ich fast platze; wahrscheinlich ist diese ganze Antriebslosigkeit die Ruhe vor dem Sturm, Achtung, die Alte explodiert bald.

Ich kann ihn schon hören, den Chor der Erwachsenen, die mir sagen, dass das Leben einfach mal so ist, dass man sich zusammenreissen muss, dass man nicht einfach so im Tal der Jammerlappen versinken darf, weil man nicht allein auf dieser Welt ist, man muss auch mal die Hinterbacken zusammenkneifen- ICH WEISS!!!!! Aber ich will das nicht. Ich will jetzt, in diesem Moment, einfach stehenbleiben, durchatmen und weinen, weil es mir so schlecht geht. Aus keinem bestimmten Grund. Und nein, ich habe nicht „diese Tage im Monat“. Ich bin schlicht und ergreifend momentan nicht stark genug für mein eigenes Leben. Ich bin schwach, ich bin müde, ich will, dass eine Fee kommt und mir drei Wünsche erfüllt, und weil ich weiß, dass das ziemlich unwahrscheinlich ist, bin ich gleich nochmal hundert Mal trauriger. UND ICH HABE KEINEN GRUND DAZU!!!!! Menschen, die ihr Leben trotz aller Widrigkeiten erfolgreich in den Griff bekommen, machen mir Angst. Menschen, die mir sagen, dass es ihnen auch schlecht geht, machen mir ein richtig schlechtes Gewissen. Und ein bissi aggressiv- ich kann im Moment nicht hören, dass  außer mir auch noch andere Lebensleid haben, das minimiert mein eigenes Lebensleid sofort extrem. Weil es objektiv gesehen ja gerade nicht schlimm ist. Aber subjektiv gesehen- Hölle.

Ich würde gerade gern mal eben kurz aus meinem Leben aussteigen und es ohne mich weiterfahren lassen, damit ich im Irgendwo pausieren und Kraft tanken kann; aber meine Fahrkarte lässt leider keine Zwischenhalte zu. Ich kriegs nicht mal sauber hin poetisch traurig zu sein. Loser.

Was mich die ganze Zeit außerdem beschäftigt: So rein theoretisch, im Randbereich des Möglichen gibt es doch bestimmt den ein oder anderen, der auch so fühlt. Wie funktioniert der denn so im Alltag? Gibt es da ein Rezept gegen? Den ein oder anderen Kniff? Oder ist Klappe halten und den Schein des Normalen aufrechterhalten das einzige, was man tun kann? Und ich möchte jetzt keine Medikamente vorgeschlagen bekommen.

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Es gibt so viele Möglichkeiten. Erstmal nen Kaffee.

Ich werde in diesem Jahr 35 Jahre alt. Genau halb so alt wie meine Mutter. EIGENTLICH habe ich überhaupt kein Problem mit diesem Alter. Genau genommen bin ich, was Alter angeht, ein sehr entspannter Mensch (ja, ich. Entspannt in diesem Punkt. Glaubt es.), ich kann es nicht ändern, nicht zurückdrehen, ich kann es nur genießen. Wären da nicht die immer öfter werdenden Gedanken, was ich in meinem Leben schon alles hätte machen wollen und was ich davon nicht getan habe. Einen täglichen Blogbeitrag zu schreiben zum Beispiel.

Ich habe einen neuen Blog gefunden, thepioneerwoman.com, in dem ich so herumgestöbert habe und da ist mir ein Beitrag aufgefallen, in dem es hieß, „blogge so oft wie möglich“. Am besten täglich. Nun schreibe ich wirklich häufig Blogbeiträge, ich veröffentliche sie aber nicht, weil sie mir beim zweiten Durchlesen dann doch zu unlesenswert oder zu persönlich oder zu uninteressant oder zu peinlich sind. Ja, ich bin ein schamhaftes Menschlein, man mag es kaum glauben, wenn man mich kennt- a pro pos: Ich durfte feststellen, dass mein Blog von kaum einem meiner Bekannten und von keinem meiner Familienmitglieder gelesen wird. Also kann ich hier quasi reinhauen, was das Zeug hält.

Im Zuge meiner zuweilen wiederkehrenden Selbstbeweihräucherung (selten, aber vorkommend) lese ich meine alten Beiträge ab und an durch. Da stieß mir dann neulich wieder der „Selbstvermarktungs“-beitrag sauer auf; es hat sich an dieser Front nichts weiter getan. Zuerst hatte ich ja wirklich genug gemacht, dann musste ich mich in meinen neuen Job einfriemeln, dann bin ich bockig geworden, weil sich trotz CI-Anfällen, massigem Geldverschleudere und großen Worten nichts ergeben hat und dachte- wenn ich nix kriege, OBWOHL ich mir den Arsch aufreisse, dann wird sich das auch nicht ändern, wenn ich nix tue. Den Blogbeitrag hierüber habe ich wieder gelöscht. Himmel, was war der negativ.Inzwischen bin ich wieder etwas froher gestimmt und überlege mir neue Strategien. Es gibt so viele Möglichkeiten. Also Bobbes auf den Stuhl pflanzen und nachdenken. Und Kaffee trinken.
Beim nochmaligen Durchlesen des eben Geschriebenen muss ich sagen, es ist mir mal wieder unangenehm. Aber ich wage das Experiment. Ich veröffentliche das.
Wie schafft man es sich selbst darzustellen, dass man interessant für potentielle Auftraggeber ist, ohne dass man rund um die Uhr mit sich selbst und seiner Außendarstellung beschäftigt sein muss und trotzdem noch so was wie ein „im Moment leben“ hinkriegt? Für Tipps bin ich dankbar. Im Gegenzug gäbe es leckeren Kaffee und das ein oder andere Stück Kuchen, das ich aus Frustabbau gebacken habe.

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Bash mich, ich bin der Frühling

Nein, das wird jetzt nicht die einhundertzwanzigtausendste Jammerei über das Wetter (obwohl ich könnte! Jawohl, und wie ich könnte! Wo bleibt der Frühling? Ich werde um meine Lieblingsjahreszeit betrogen! Wer hat der Sonne Altersteilzeit zugestanden? Der gehört rausgeschmissen!!!!), ich fand das Titelwortspiel nur so nett.

Ich möchte mich endlich mal öffentlich zu etwas äußern, was mir seit Jahren auf- und überhaupt nicht ge-fällt.
Ich finde das Internet eine wirklich tolle Sache, man hat Zugriff auf Informationen, ohne dass man allzu lange suchen muss; man kann mit Menschen in Kontakt treten und eventuell sogar bleiben, die man sonst vielleicht nie kennengelernt hätte, ich persönlich habe die Möglichkeit meine Texte in Einsen und Nullen zu verwandeln und sie mit einer sehr, sehr großen Gemeinschaft zu teilen (wenn sie gelesen werden)- aber was ich als immer abstoßender empfinde, sind diese Shitstorms und Gemeinheiten, die Menschen mit zumeist kläglichen orthografischen und grammatikalischen Kenntnissen von sich geben können, weil jede Beleidigung ja nur einen Klick braucht.
Was ist das, dass so viele andere Menschen verbal so fertigmachen? Liegt es wirklich an unserer Zeit oder waren wir schon immer so gestrickt, dass wir andere am liebsten auf übelste Art und Weise runtermachen und es uns nur nicht getraut haben, weil man sich nicht verstecken konnte?
Ich habe kurz überlegt hier zu zitieren um Fallbeispiele nennen zu können, aber ich möchte einen solchen Dreck nicht in meinem Blog lesensmöglich machen. Das entsetzt mich. Menschen dazu anzuregen sich umzubringen, Prominente zu beschimpfen, Blogger fertigzumachen- hä???
Ich lese viele Artikel im Netz und ich verbrachte einmal ebenso viel und mehr Zeit damit die Kommentare dazu zu lesen- welch Zeitverschwendung die Schriften eines anderen mit Häme zu überschütten! Abgesehen davon, dass der chinesische Reissack inzwischen wirklich nicht mehr umfallen kann, so oft, wie der zitiert wird. Wenn mich ein Beitrag nicht interessiert, lese ich ihn nicht! Und noch viel weniger kommentiere ich ihn nicht!!! Und wenn ich nicht der Meinung des Autors bin, beleidige ich den Autor nicht persönlich (und wenn, dann nur in Gedanken)!!!!
Gibt es wirklich so viel mehr Häme in unseren Herzen oder vergessen wir einfach, dass nette Worte auch aufschreibenswert sind?
Ich habe mich in einem Kommentar einmal diesbezüglich geäußert und bin daraufhin gedisst worden, dass ich kein Land mehr sehen konnte. Wohlgemerkt von Gestalten, deren „Usernamen“ weitab von jeglicher Identifizierungsmöglichkeit waren. Wieso bitte bin ich eine Schlampe, wenn ich frage, warum man sich dauernd gegenseitig beleidigen muss, wenn man eine Sache diskutieren möchte?
Vollkommen überflüssiger Artikel, werden jetzt sicherlich einige denken. Man darf sich gerne diesbezüglich äußern, aber ich persönlich mache Gebrauch von meinem Recht beleidigende und für meinen Geschmack unverschämte Kommentare nicht zu veröffentlichen.
Leute, tragt Sonne im Herzen! Das Leben ist schöner, wenn es bunt und voller Liebe ist!!!

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