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Geh wählen!

Dem wäre eigentich nichts hinzuzufügen. Dennoch- eventuell erreiche ich auf diesem Weg doch noch den ein oder anderen, der sich bisher gedacht hat „bringt ja eh nix“.

In den letzten Wochen habe ich immer wieder missionarische Gespräche mit Menschen geführt und immer wieder die gleichen Aussagen versucht zu widerlegen; deshalb probiere ich das hier mal zusammenzufassen und meine Meinung möglichst sachlich darzulegen (ich werde das nicht schaffen, aber ich werde mich bemühen).

1. „Ich hab mich mit den Parteien nicht beschäftigt.“
Mal abgesehen davon, dass das nun wirklich und ehrlich allein deine Schuld ist- du lebst ja schließlich nicht hinterm Mond, oder?! Dir wird ja das ein oder andere Plakat aufgefallen sein, du wirst bei einigen Headlines doch sicher gedacht haben, „ja, finde ich auch“ oder „nein, was für ein Schwachsinn“. Geh und mach dein Kreuz bei Mensch und Partei, die dir positiv im Gedächtnis geblieben sind.

Wir haben ein Wahlrecht in Deutschland. Ja, richtig, du hast das RECHT zu wählen. Ich will ja jetzt nicht mit Diktaturen, Scheinwahlen und all dem Kram kommen, aber man krakeelt doch immer wieder gern allzu leicht, dass man dazu und dazu das Recht habe, also nimm es dir in diesem Fall! Du lebst nicht im luftleerem Raum!

2. „Ich stimme mit keiner Partei wirklich überein.“
Hase, ich auch nicht. Es gibt in Deutschland nicht eine Partei, bei der ich bei jedem Punkt laut „HURRA!“ schreie. Ich überlege mir deshalb, was mir persönlich besonders wichtig ist und suche da nach Übereinstimmungen und wähle dann die Partei mit der größten Kongruenz. Wir sind 82 Millionen Menschen, keiner von uns hat exakt die gleichen Ansichten und jeder muss für sich Prioritäten setzen.  Das nennt man Kompromiss, damit zu leben erleichtert einem auch den sozialen Umgang im persönlichen Umfeld (kostenloser Tipp am Rande).

3. „Es ändert sich ja eh nix.“
Ich wiederhole nochmal kurz: Du lebst nicht im luftleeren Raum, es verändert sich immer was. Welche Veränderung möchtest du denn? Möchte eine Partei diese Veränderung auch? WÄHLE DIESE PARTEI. Ich verrate hier ein Geheimnis: Je mehr Stimmen eine Partei bekommt, desto eher besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sie in der Regierung sitzt und eine von dir gewünschte Veränderung bewirkt- wenn du sie nicht wählst, fehlt ihr deine Stimme. UND JA, JEDE STIMME IST WICHTIG. Wir haben nämlich in Deutschland leider kein System, bei dem die Nichtwähler prozentual ins Wahlergebnis einfließen und deshalb eventuell keine Partei die Mehrheit erlangt und dann alle dastehen, sich am Kopf kratzen und sich fragen, was sie denn ändern sollen, damit sie gewählt werden- NICHTWÄHLER HABEN NICHTS MIT DEM WAHLERGEBNIS ZU TUN.
Außerdem- wer nicht wählen geht, darf hinterher auch nicht meckern. Und wenn wir Deutschen was wirklich gut und gerne tun, das ist das MECKERN. Doch dieses Recht (ah!) haben nur die Wähler.

! ACHTUNG ! WICHTIGE INFORMATION ! ACHTUNG ! WICHTIGE INFORMATION !
Wer seinen Wahlzettel ungültig macht, kann auch gleich zuhause bleiben, weil für ungültige Stimmen dasselbe gilt wie für nicht abgegebene Stimmen: Sie werden ins Wahlergebnis nicht einberechnet.
Weiß ich auch nicht schon immer, muss man aber wissen. Darth Vader zu wählen ist also nur semi-cool.

4. „Ich will keine der großen Parteien wählen.“
Dann wähl sie nicht! Wähle die „Tierschutzpartei“, die „Grauen Panther“, nur um zwei Beispiele zu nennen (das ist keine konkrete Wahlempfehlung!), also wähle eine Partei, die bei den Hochrechnungsbalken unter „sonstige“ absäuft. Dann hast du deine Stimme abgegeben, dann wird deine Stimme gezählt, das beeinflusst das Wahlergebnis (im Gegensatz zum Nichtwählen- falls du vergessen hast, weshalb, lies dir Punkt 3 nochmal durch). Und ja, ich höre den ein oder anderen schreien, dass man dann seine Stimme verschenkt hat- aber ich bin nicht dieser Meinung. Wer seine Stimme abgibt, verschenkt sie nicht, sondern tut seine Meinung kund.

So. Geh wählen. Und um jetzt doch noch eine private Wahlempfehlung abzugeben: Wähle bitte nicht die AfD. Geh wählen, damit die AfD keine Chance bekommt unser vielfältiges, fortschrittliches, Fehler machendes und daraus zu lernen versuchendes Land in ein Gebiet der Einschränkung, des Hasses und der Ausgrenzung zu machen- und ich rede hier nicht von der Ausgrenzung von Nicht-Deutschen, ich spreche auch und vor allem von der Ausgrenzung des größten Teiles unserer eigenen Gesellschaft. Hass ist keine Triebfeder, Hass ist ein Zerstörungsorgan. Ich glaube an eine Gemeinschaft, die durch Gemeinsamkeiten zusammenhält und nicht von der Ausgrenzung anderer lebt.

GEH WÄHLEN!

 

 

 

 

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Meine fünf Cent

Ich habe lange nicht mehr geschrieben. Nein, eigentlich habe ich sehr viel geschrieben, aber es durchgelesen und dann wieder gelöscht oder als „Entwurf“ gespeichert. Ich weiß nicht, wie es mit diesem Text sein wird, ob ich die Eier in der Hose habe das im Internet zu veröffentlichen. 

Es geht um ein Thema, das mir den Hals abschnürt, das mich tief in meinem Innersten berührt, bei dem ich immer und immer wieder traurig werde, weil ich die Gesellschaft, die Personen, die um mich sind, oft nicht begreife.

Es geht um Menschen, die ihre Heimat verlassen und Schutz bei uns suchen. Menschen, die wir als Flüchtlinge aufnehmen oder aufnehmen werden. Und ich erlebe immer und immer wieder, dass im Zusammenhang mit diesen Menschen der Begriff „Geld“, der Begriff „Schmarotzer“, der Begriff „Wirtschaftsflüchtlinge“ fällt. Das Wort „Mensch“ kommt sehr, sehr selten vor. Es sind Flüchtlinge. Manchmal wird dieses Wort so ähnlich wie „Insekten“ ausgesprochen. Das macht mich traurig.

Zahlen werden in den Raum geworfen, wie viel kostet „den Steuerzahler“ ein Flüchtling pro Jahr. Beispiele werden genannt, wo die deutsche Bevölkerung eine Einschränkung hinnehmen muss, weil ein Flüchtlingsheim eingerichtet wird. Wenn ich entgegne, dass diese Menschen Hilfe brauchen, werde ich zum Schweigen gebracht, indem man mich fragt, wie viele denn bei mir wohnen.

In den sozialen Medien tritt ein offener Fremdenhass zutage, der mir solch große Angst macht, dass ich schweige. Ja, ich habe Angst. Gebäude werden angezündet, besorgte Bürger geben ihrer Sorge vehement Ausdruck und erdrücken mich mit ihrer Masse. Ich sage nichts, weil ich Angst habe.

Wie beschissen ist das bitte? Wie verkehrt ist diese Welt, dass ich mich- und jetzt bediene ich mich der gleichen Ausdrucksweise wie einige der Menschen, vor denen mir graut- in meinem eigenen Land vor anderen fürchten muss? 

Mein Blog wird nicht von vielen Menschen gelesen. Und in diesem kleinen, meinem Raum werde ich nun meine fünf Cent dazu geben.

Es geht nicht darum, wie viel ein Flüchtling kostet. Es geht nicht darum, dass Flüchtlinge Smartphones haben und warum. Es geht auch nicht darum, dass Wirtschaftsflüchtlinge ja nicht vor nem Krieg flüchten und deshalb keine echten Flüchtlinge sind. Es geht darum, dass Menschen, die existenziell bedroht sind, ob durch Krieg oder durch Hunger und Armut, zu uns kommen und Hilfe brauchen. ES GEHT UM MENSCHEN. Wieso diskutiert man über Kosten, wenn es um etwas so Wertvolles wie Leben geht? 

Unsere Geschichte sollte uns eigentlich demütig machen. Aber ich habe das Gefühl, wir sind raffgierig und luxusverwöhnt geworden, wollen vergessen, dass das, was wir zum Leben haben, viel mehr ist, als wir brauchen. 

Keiner von uns ist gezwungen irgendetwas zu tun. Man muss weder spenden noch helfen noch abgeben. Aber die Fremden willkommen zu heißen, das kostet nichts. Ihnen statt Hass Freundlichkeit zukommen zu lassen und statt Brandsätze zu legen nette Worte zu finden- das muss möglich sein. Und das zu äußern ohne angegriffen zu werden soll ebenfalls selbstverständlich sein.

Meine fünf Cent. 

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